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Das Britische Schulsystem

Das Britisches Schulsystem (Quelle: DIPF )

Dieser Artikel beschreibt das britische Schulsystem. Die unterschiedlichen Strukturen bzw. bildungspolitischen Entscheidungefreiheiten in den Ländern außerhalb von England (also Schottland, Nordirland und Wales) werden hier nicht berücksichtigt. Es handelt sich viel mehr um eine generelle Darstellung des britischen Schulsystems.

  1. Zuständigkeiten im Bildungswesen
  2. Allgemeinbildendes Schulwesen
  3. Hochschulwesen
  4. Berufsbildung
  5. Schematische Darstellung der Schulbildung
  6. Stundenplan in England
  7. Interssante Fakten
  8. Besonderheiten in Schottland
    8.1. Gesetzliche Grundlagen
    8.2. Grundsätze
    8.3. Grundschule
    8.4. Sekundarschulen
  9. Zusammenfassende Wertung
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1. Zuständigkeiten im Bildungswesen

Auf nationaler Ebene ist seit 1995 das Ministerium für Erziehung und Beschäftigung [Department for Education and Employment, DfEE] für die Entwicklung, Interpretation, Ausführung und Überwachung der nationalen Bildungspolitik im Rahmen der vom Parlament in London verabschiedeten Gesetze verantwortlich. Zu seinen weiteren Aufgaben zählt die Festlegung der Mindestanforderungen des Bildungsangebotes und in gewissem Rahmen die Zuweisung von Finanzmitteln an die lokalen Bildungsbehörden [Local Education Authorities, LEAs] und seit 1988 auch an einzelne Schulen. Weiter ist es für zentrale Bereiche der Lehrtätigkeit, insbesondere für die Ausbildung, Qualifikation und Versorgung der Lehrer verantwortlich.

Die LEAs waren ursprünglich für den gesamten Bildungsbereich außerhalb der Universitäten, d.h. Vorschul-, Primar-, Sekundarerziehung und Further Education sowie die Colleges of Higher Education in ihrem Bezirk zuständig. Zu ihren Aufgaben gehörte neben der Einrichtung und dem Bau von Schulen und Colleges auch die Ausstattung der Schulen, die Einstellung der Lehrer und nicht zuletzt die Entwicklung der Lehrpläne in Absprache mit den Schulen.

Unter der konservativen Regierung wurde die Entscheidungsgewalt der LEAs seit Ende der 80er Jahre schrittweise beschnitten. Zum einen wurden die LEAs die Further Education Colleges vollständig entzogen, zum anderen wurden ihre vormals weitreichenden Kompetenzen im Bereich des allgemeinbildenden Schulwesens stark beschnitten. Die einzelnen Schulen gewannen Autonomie, wurden aber gleichzeitig der Zentralregierung gegenüber stärker als zuvor rechenschaftspflichtig. Beispielsweise wurde den LEAs die Zuständigkeit für die Lehrkräfte genommen und den Schulen selbst übertragen.

Desweiteren verfügen die Regionen (Schottland, Nordirland und Wales) in bildungspolitischen Fragen über unterschiedlich weitreichende Entscheidungskompetenzen.

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2. Allgemeinbildendes Schulwesen

Das Schulsystem in England und Wales ist von regionalen Unterschieden geprägt, die sich aus den Gestaltungsfreiheiten der Local Education Authorities (LEAs) bei der Einrichtung von Schulen erklären. Privatschulen machen einen wichtigen, wenn auch nur kleinen Teil des englischen Schulwesens aus.

Grundsätzlich ist das System folgendermaßen gegliedert:

  • Elementarbereich (Vorschule; für Kinder unter 5 Jahren freiwillig)
  • Primarbereich (5-11 Jahre)
  • Sekundarbereich I (12-16 Jahre)
  • Sekundarbereich II (17-18 Jahre)
  • Akademische Ausbildung -> Universitäten oder Fachhochschulen.

Organisationsstruktur der Pflichtschule: Mögliche Varianten in den einzelnen LEAs:

Modell I Modell II Modell III Modell IV Modell V Modell VI
5-11*)
Primary School
5-11
Primary School
5-11
Primary School
5-11
Primary School
5-8
First School
5-8
First School
12-16
Secondary Modern School
or...
12-18
Comprehensive School
12-16
Comprehensive School
12-14
Junior Comprehensive School
9-13
Middle School
9-12
Middle School
...or
12-18
Secondary Grammar School
12-18
Comprehensive School
17+
Tertiary College
15-18
6th Form College
14-18
Senior Comprehensive School
13-18
Comprehensive School

*) Die Zahlen geben das jeweilige Lebensalter an.

In England und Wales gibt es zwei Abschlußqualifikationen, die am Ende der Schulzeit abgelegt werden können. Das General Certificate of Secondary Education (GCSE), das planmäßig nach 11 Jahren Schulbesuch im Alter von 16 Jahren erworben wird, und das General Certificate of Education at Advanced Level (GCE A-Level), das nach zwei weiteren Jahren im Alter von 18 Jahren abgelegt wird. Bei den Prüfungen handelt es sich nicht um Schulabschlüsse in der Art, wie sie in der Bundesrepublik Deutschland üblich sind. Es handelt sich vielmehr um Einzelfächerprüfungen, die in beliebigem Umfang und variabler Zusammenstellung absolviert werden können. Der Mittleren Reife entsprechen etwa fünf GCSE-Prüfungen. Mindestens zwei, faktisch aber drei GCE A-Levels entsprechen etwa dem Bildungsniveau des Abiturs. Dabei ist jedoch zu bemerken, daß mit A-Levels immer nur eine fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung erreicht wird.

Seit September 1987 wird zusätzlich eine weitere Form der A-Level-Prüfungen angeboten, die als Advanced/Supplementary Level (ergänzendes Fortgeschrittenen-Niveau, GCE A/S-Level) bezeichnet wird. Hierbei handelt es sich um Zusatzprüfungen, die in etwa die Hälfte des Lehrplanes für ein volles A-Level abdecken. Mit der Einführung der A/S-Level Prüfungen wurde beabsichtigt, einer frühzeitigen Spezialisierung auf wenige Fächer entgegenzuwirken, wie sie durch die Beschränkung auf die traditionellen A-Levels geschieht.

Anteil der von Schulabgängern erreichten Qualifikationen im Vereinigten Königreich, 1980/81 bis 1989/90 [in %]

Erreichte Qualifikation 1980/81 1984/85 1989/90 Bewertung
2 oder mehr GCE A-Levels *) 14,1 14,7 20,7 ansteigend **)
1 GCE A-Level 3,7 3,9 4,7 ansteigend
GCSE in mind. 5 Fächern, Noten A-C 9,4 10,7 13,2 ansteigend
GCSE in 1-4 Fächern, Note A-C 26,3 26,8 26,9 ansteigend
GCSE in mind. 1 Fach, Noten C-G 32,8 32,7 26,1 steigend/fallend
Kein Prüfungserfolg 13,7 11,3 8,5 fallend

*) Die angegebenen Abschlüsse entsprechen den heutigen Bezeichnungen. Das GCE O-Level und CSE wurden entsprechend berücksichtigt.

**) Allgemein ist ein ansteigender Trend in der Erfolgsquote der Abschlußprüfungen festzustellen. Die bedeutet auch ein steigendes Bildungsniveau in Großbritannien. Besonders der Trend in der letzten Zeile ("Kein Prüfungserfolg") ist erwähnenswert hervorzuheben!

Die achtziger Jahre sind durch die verstärkten Bemühungen der Regierung gekennzeichnet, die Berufsbildung auszubauen, wofür der Begriff des New Vocationalism (Neue Beruflichkeit) geprägt wurde. Beispielsweise soll die berufliche Grundbildung im allgemeinbildenden Schulwesen verstärkt werden mit folgenden Schwerpunkten:

  • Technical and Vocational Education Initiative (Initiative zur technischen und beruflichen Bildung, TVEI) mit dem Ziel der Aufwertung von vorberuflichen und technischen Bildungsinhalten - im Curriculum der Sekundarschulen
  • Certificate of Pre-Vocational Education (Zeugnis der vorberuflichen Ausbildung, CPVE) als neu eingeführter Bildungsabschluß an Schulen
  • Gründung von City Technology Colleges als Schulen mit einem speziellen, auf berufliche Aspekte ausgerichteten Curriculum zur verbesserten beruflichen Vorbereitung der Sekundarschulabgänger
  • vertragliche Vereinbarungen zwischen Schule und Betrieb: Compacts. Ziel der Compacts ist eine Verbesserung beruflicher Ausbildungschancen für Schulabgänger durch die Zusammenarbeit zwischen Schule und Unternehmen.
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3. Hochschulwesen

Der Bereich der Hochschulbildung ist nicht gesetzlich geregelt. Indirekt erfolgt eine Definition anhand der Lehrpläne der angebotenen Kurse und Studiengänge sowie der zu erreichenden akademischen Abschlüsse, die vom DfEE durch das Higher Education Funding Council finanziert werden. Allgemein wird als Hochschulbildung jede Art fortgeschrittener Bildung anerkannt, die als Eingangsvoraussetzung das GCE A-Level oder ein Äquivalent verlangt.

Der größte Anteil der Hochschulbildung wird von den Universitäten abgedeckt. Sie sind selbständige Organe, die durch eine königliche Gründungsurkunde dazu berechtigt sind, akademische Abschlüsse zu verleihen. Die Zulassung der Studenten liegt in der Verantwortung der einzelnen Universität, die ihre eigenen Bestimmungen erläßt.

Neben den Universitäten gibt es noch ca. 100 andere Einrichtungen im Bereich der Hochschulausbildung. Hierbei handelt es sich um Institutes oder Colleges of Higher Education, an denen auch akademische Abschlüsse erreicht werden können. Manche dieser Institute haben sich in ihren Angeboten auf die Lehrerausbildung oder andere Bereiche wie etwa Kunst oder Design spezialisiert. Diese Institute stellen, da sie neben Vollzeitstudiengängen auch Teilzeitstudienmöglichkeiten anbieten, einen bedeutenden Teil der Hochschulausbildung des Landes dar. Sie sind jedoch nicht berechtigt, direkt eigene akademische Titel zu verleihen.

Die Open University ist eine besondere Einrichtung des Hochschulbereichs, da sie keine formale akademische Eingangsqualifikation verlangt. Sie wendet sich vielmehr an Teilnehmer, die vom regulären Hochschulwesen wegen des Fehlens einer formalen Eingangsqualifikation ausgeschlossen sind. Die Open Universities entspricht in Deutschland in etwa dem Telekolleg.

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4. Berufsbildung

Nach elf Jahren Schulbesuch haben Schüler im Alter von sechzehn Jahren in England und Wales ihre Schulpflicht erfüllt. Von nun an müssen sie ihren weiteren Bildungsweg selbst bestimmen, da für sie keinerlei weitere Verpflichtung besteht, sich im allgemeinen oder beruflichen Bereich zu qualifizieren. Wenn sie sich für die Teilnahme an beruflicher Bildung entscheiden, stehen ihnen die folgenden Möglichkeiten offen:

  • vollzeitschulische berufliche Ausbildung in einer Einrichtung der Further Education.
  • Seit 1983 bietet die Regierung als Maßnahme gegen die Jugendarbeitslosigkeit das Youth Training an. Es wird im wesentlichen am Arbeitsplatz durchgeführt, außerbetriebliche Unterweisung findet nur ergänzend statt.
  • Die traditionelle Lehre mit einer geregelten Ausbildung am Arbeitsplatz und schulischen Ausbildungsanteilen steht Jugendlichen nur noch selten zur Verfügung.
  • Das on-the-job Training (Anlernen am Arbeitsplatz in einer regulären Anstellung) als eine Möglichkeit, ins Berufsleben einzutreten. Doch auch diese Form des Übergangs ins Arbeitsleben ist nicht mehr häufig anzutreffen.

Das Youth Training wendet sich neben sechzehnjährigen Schulabgängern an siebzehnjährige arbeitslose Jugendliche. Ab dem 1. April 1986 wurde das bis dahin einjährige Programm auf zwei Jahre ausgeweitet. Mit der Garantie der Regierung, im Jahr 1988 jedem arbeitslosen Jugendlichen einen Platz im Youth Training anbieten zu können, wurde die Arbeitslosenunterstützung für Sechzehn- und Siebzehnjährige gestrichen. So besteht heute für arbeitslose Jugendliche faktisch ein Zwang, am Youth Training teilzunehmen.

Die außerbetriebliche Ausbildung im Rahmen des Youth Trainings soll ein geplantes und begleitetes Lernprogramm sein. Die Dauer der außerbetrieblichen Ausbildung beträgt im ersten Jahr dreizehn Wochen und im zweiten Jahr sieben Wochen. Das Ablegen einer Abschlußprüfung ist nicht Pflicht, und es werden auch keine inhaltlich zu erreichenden Ausbildungsziele vorgeschrieben.

Ein wichtiger Aspekt zum Verständnis der britischen Berufsbildung ist das System zum Erlangen beruflicher Abschlußqualifikationen. Für den außenstehenden Betrachter bietet sich das Bild einer verwirrenden Vielfalt und Komplexität berufsbildender Angebote. Ähnlich wie im allgemeinbildenden Bereich ist eine große Vielzahl verschiedener Further-Education-Einrichtungen entstanden, die sich in ihrer Größe, in der Bandbreite der verschiedenen Berufssparten ihres Angebots und in den Niveaus der angebotenen Kurse unterscheiden. Dies macht es notwendig, die Vergleichbarkeit der in der Further Education erreichten Abschlüsse über zentrale Prüfungsorganisationen auf nationaler Ebene zu gewährleisten. Prüfungsorganisationen sind selbständige Unternehmen, die sich aus Kurs- und Prüfungsgebühren finanzieren und vom Bildungsministerium formal unabhängig sind.

Die bedeutendsten Prüfungsorganisationen auf nationaler Ebene sind:

  • das Business and Technology Education Council
  • das City and Guilds of London Institute
  • das Royal Society of Arts Examinations Board.

Im Oktober 1986 wurde dann der National Council for Vocational Qualifications (Nationaler Rat für berufliche Qualifikationen) als selbständige Organisation von der Regierung gegründet, die der Arbeit der Prüfungsorganisationen einen einheitlichen Rahmen verleihen sollte. Das System beruflicher Qualifikation soll dadurch verbessert werden, daß alle beruflichen Qualifikationen auf national vereinbarte und verbindliche Standards beruflicher Kompetenz bezogen werden. Dies bedeutet, daß aufgrund berufsspezifischer Anforderungen die Kompetenzen festgeschrieben werden, die der Besitzer einer bestimmten Qualifikation vorweisen können muß. Anhand dieser Kompetenzen wurden National Vocational Qualifications (Nationale berufliche Qualifikationen, NVQ) eingeführt, die gewährleisten sollen, daß eine berufliche Abschlußqualifikation, die einer definierten NVQ entspricht, auch die entsprechenden Fähigkeiten des Absolventen garantiert, soweit dies in Bildungsfragen möglich ist.

Der National Council for Vocational Qualifications hat außerdem allgemeine berufliche Qualifikationen entwickelt. Die General National Vocational Qualifications (GNVQ) sind berufsfeldbezogene, allgemeine Qualifikationen. Sie werden seit September 1993 auf drei Niveaustufen angeboten. Die höchste Stufe, das fortgeschrittene Niveau, entspricht dabei in ihrem Anspruch etwa 2 GCE A-Levels oder einer NVQ der Stufe 3. Die Standing Conference on University Entrance (Ständige Hochschulkonferenz zum Hochschulzugang) hat die Anerkennung der GNVQ als Eingangsqualifikation zum Hochschulstudium empfohlen.

In den GNVQ-Kursen sollen die Teilnehmer allgemeine wirtschaftliche Kenntnisse erlernen, ein Verständnis für berufliche und wirtschaftliche Sachverhalte entwickeln und allgemeine Fähigkeiten im Bereich Kommunikation, Mathematik und Informationstechnologie erlangen.

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5. Schematische Darstellung der Schulbildung

Schulbildung Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten
Gesamtschule
A-Level Examen
16-18 Jahre: 6. Klasse
Arbeit
Universität
Fachhochschule für Technik
Gesamtschule
GCSE-Examen
16 Jahre: 5. Klasse
15 Jahre: 4. Klasse
14 Jahre: 3. Klasse
13 Jahre: 2. Klasse
12 Jahre: 1. Klasse

Arbeit
Fachhochschule
Ausbildungsprogramm für arbeitslose Jugendliche

Grundschule
11 Jahre: 4. Klasse
10 Jahre: 3. Klasse
9 Jahre: 2. Klasse
8 Jahre: 1. Klasse
 
Kindergarten
5-7 Jahre
 

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6. Stundenplan in England

Zeit Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
09:05-10:15 Deutsch Informatik Englisch Biologie Werken
10:15-10:20 Pause Pause Pause Pause Pause
10:20-11:30 Mathematik Geschichte Mathematik Religion Mathe/Sport
11:30-11:50 Pause Pause Pause Pause Pause
11:50-13:00 Werken Englisch Sport Informatik Schreibmaschine
13:00-14:30 Mittagessen Mittagessen Mittagessen Mittagessen Mittagessen
14:30-15:40 Biologie Deutsch Religion Geschichte Englisch

Anmerkungen: Diesen Stundenplan habe ich im Internet gefunden. Es ist leider nicht ganz klar, ob dieser Stundenplan generell in England gilt und für welche Jahrgangsstufe er sein soll. Das Fach "Schreibmaschine" kommt mir doch etwas unzeitgemäß vor.

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7. Interessante Fakten

  • Englische Schüler durchlaufen automatisch eine Klasse nach der anderen, sie wiederholen keine Klassenstufe wie in Deutschland.
  • Die meisten Schüler gehen auf Gesamtschulen; dort werden sie nach dem Leistungsstandart in Gruppen eingeteilt.
  • Die erste wichtige Prüfung ist das GCSE-Examen (entspricht dem deutschen Realschulabschlußprüfung), das den Schülern bei der Wahl ihrer weiteren Berufsausbildung helfen soll.
  • Mit 18 Jahren können sie das A-Level- Examen (entspricht dem deutschen Abitur) machen, mit dem sie sich für eine Universität oder eine Fachhochschule qualifizieren können.
  • Die Schulstunden dauern in der Regel 70 Minuten und nicht wie in Deutschland 45 Minuten (je Unterrichtseinheit).
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8. Besonderheiten in Schottland

Damit es authentischer klingt, hier die Information in englischer Sprache: "99% of Scottish education authority secondary schools are comprehensive schools offering all types of courses to pupils of all abilities." Das teilt uns das Eurydice Unit in Edinburgh (1999) mit. Lesen Sie eine kurze Beschreibung des schottischen Schulsystems.

8.1. Gesetzliche Grundlagen

Das schottische Schulwesen hat seine Grundlagen im Wesentlichen nicht in gesetzlichen Regelungen, sondern in diversen Verordnungen und Richtlinien und auch Expertisen, die von der Regierung eingeholt und als Grundlage der pädagogischen Arbeit akzeptiert wurden. Wichtig zu wissen ist, daß eine Reihe von bildungsgesetzlichen Regelungen im Parlament des United Kingdom verabschiedet wurden, gleichwohl lediglich in Schottland Gültigkeit haben.

Die Kollegen in Edinburgh weisen zu Recht mit einigem Stolz darauf hin, daß Bildung in Schottland seit jeher einen hohen Stellenwert hatte und deren Grundsätze und Werte auf eine lange positive Tradition zurückblicken. In diesem Wertesystem schließen sich Leistung und Chancengleichheit nicht aus, vielmehr wird versucht, diese Ziele in einem buchstäblich egalitären Schulsystem zu verwirklichen.

Das jüngste Bildungsgesetz wurde 1996 verabschiedet [Education (Scotland) Act]. Dieses regelt u.a. die Einrichtung einer Prüfungskommission [Scottish Qualifications Authority , SQA] zur Standardsicherung.

8.2. Grundsätze

Bildung ist unter den staatlichen Dienstleistungen die bei weitem teuerste und wird von den Gemeinden (local authorities) organisiert und verantwortet. Der Besuch der öffentlichen Schulen ist für die Eltern selbstverständlich kostenlos, dazu gehört auch die Lehr- und Lernmittelfreiheit. Über das Budget der Schulen entscheidet der Gemeinderat, wobei 80 % des Budgets von der Einzelschule verwaltet wird.

Die Schulpflicht beginnt - wie auch in England und Wales - im Alter von 5 Jahren und gilt für die Kinder und Jugendlichen bis zum Alter von 16 Jahren.

8.3. Grundschule

Die Grundschule umfasst insgesamt sieben Jahrgangsstufen mit Schülern im Alter von 5 bis 12 Jahren. Die beiden ersten Schuljahre sind als Eingangsstufe (Infant Stage) organisiert. Die spielerische Arbeitsweise der Vorschulen wird hier fortgesetzt mit dem Ziel, die Grundzüge sozialen Lebens durch eigene Erfahrungen und Spiele kennen zu lernen. In den Jahren 3 bis 7 stehen die großen Unterrichtsbereich Sprache, Rechnen und Sachunterricht im Mittelpunkt. In den beiden 'Oberstufenjahren' 5 bis 7 können auch bereits Gruppierungen nach besonderen Interessen und Fähigkeiten in Hinblick auf die weiterführende Schule stattfinden.

Seit dem so genannten Plowden Report (1966), ist der Tagesablauf nicht mehr an eine starre Stunden- und Facheinteilung gebunden. Die LehrerInnen können ihren Unterricht individuell gestalten. Dabei vollzieht sich die Arbeit der Kinder häufig im Rahmen von Sach- und Interessenkomplexen mit fächerübergreifenden Themen (sog. topics und project Aktivities) mit einer Starken Betonung des selbständigen Lernens. Eva Eckert (Schottlands egalitäres Bildungssystem, in: Kreienbau et al: Bildungslandschaft Europa, Bielefeld 98) meint beobachtet zu haben, daß "sehr auf die Schulung der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit geachtet und "ästhetische" Fächer wie Tanz, Musik, Drama, Poesie und Bewegung in den Unterricht integriert werden". Seit 1993 wird in allen Grundschulen in den Klassenstufen 6 und 7 eine Fremdsprache unterrichtet. In einigen Schulen ist die Unterrichtssprache Gälisch, in anderen wird Gälisch als erste Fremdsprache angeboten.

8.4. Sekundarschulen

Im Anschluß an die Grundschulzeit folgt für die dann 13-jährigen Kinder die sechsstufige Sekundarschule. Sie steht allen Absolventen der Primary School offen. Es gibt keine Eingangsbeschränkungen.

Im 5. und 6. Jahr der Sekundarstufe der Gesamtschule wird den Schülerinnen und Schülern - dann im Alter von 17 und 18 Jahren u.a. eine ganze Reihe berufsorientierender und -vorbereitender Kurse angeboten. Im Übrigen stützt sich das Curriculum der Sekundarschule auf acht Hauptbereiche: Muttersprache, moderne Fremdsprache, Mathematik, Naturwissenschaften, Geschichte, Erdkunde, Musik, Kunst, technische Fächer oder Hauswirtschaft sowie Sport und Religion. Die ersten beiden Jahre der Sekundarstufe (Senior 1 and 2) sind als Orientierungsstufe konzipiert, in der alle Schüler in allgemeinbildenden Fächern unterrichtet werden. Die Klassen sind weitgehend leistungsheterogen (mixed ability grouping), es gibt jedoch teilweise auch schon fachspezifische Differenzierungen (setting) hauptsächlich in der Fremdsprache und Mathematik. Durch das breite Fächerspektrum der Orientierungsstufe soll es den Schüler/innen ermöglicht werden, ihre individuellen Fähigkeiten zu erproben.

Am Ende des zweiten Jahres wählen die SchülerInnen ihre Fächer für die kommenden zwei Mittelstufenjahre 3 und 4 aus. Ihnen steht eine breite Fächerpalette zur Verfügung, dabei findet eine Differenzierung in Kurse unterschiedlichen Niveaus (je nach dem angestrebten Abschluss) statt. In diesen Kursen werden die Schülerlnnen hauptsächlich auf die externen Prüfungen zum Standard-Niveau, Standard Grade des Scottish Certificate of Education (SCE) vorbereitet. Schülerinnen und Schüler, die sich stärker auf die oben genannten berufs- und praxisorientierten Kurse konzentriert haben, können mit dem National Certificate of the Scottish Vocational Education Council (SCOTVEC) abschließen.

Etwa 30 % der Schüler verlassen die Gesamtschule im Alter von 16 Jahren - also nach 11 Schuljahren und der Beendigung der Schulpflicht - mit dem Scottish Certificate of Education (SCE) at Standard Grade. Rund 70 % der Schülerinnen und Schüler durchlaufen jedoch die Gesamtschule bis zur 13. Klasse und schließen sie in der Regel erfolgreich ab.

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9. Zusammenfassende Wertung

Die Teilnehmerquoten im Bildungswesen nach Ende der Pflichtschulzeit liegen im Vereinigten Königreich im Vergleich zu anderen EU-Staaten ausgesprochen niedrig. Im Zeichen des Europäischen Binnenmarktes ist es im Interesse der britischen Regierung, die Bildungsteilnahme der 16- bis 18jährigen zu erhöhen, um die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit des Vereinigten Königreichs gegenüber den führenden Industriestaaten der Europäischen Gemeinschaft zu sichern. Der Anteil der sechzehnjährigen britischen Jugendlichen in vollzeitschulischen Bildungseinrichtungen, die sowohl die allgemeinbildenden Schulen wie auch berufliche Vollzeitausbildung in anderen Einrichtungen wie z.B. denen der Further Education in allgemeiner und berufsbildender Form umfaßt, liegt im Vereinigten Königreich bei 53 %. Damit liegt das Vereinigte Königreich im Vergleich mit anderen EU-Staaten wie Frankreich, Deutschland und Spanien an letzter Stelle.

Die Teilnahme der britischen sechzehnjährigen Jugendlichen an teilzeitschulischen Bildungsmaßnahmen, wie etwa dem Besuch eines Further Education Colleges innerhalb des Youth Trainings, einer staatlichen Ausbildungsmaßnahme, oder im Abendstudium liegt hingegen im Vereinigten Königreich bei 41 %. Dieser Anteil ist im Vergleich zu den anderen Ländern am höchsten. Während sich in den anderen Ländern der Großteil der Jugendlichen noch in vollzeitschulischer Ausbildung befindet, haben englische Jugendliche im Alter von sechzehn Jahren meist schon das vollzeitschulische Bildungssystem verlassen und nehmen an Teilzeitbildungsmaßnahmen teil.

Bei der Betrachtung der Altersgruppe der Sechzehn- bis Achtzehnjährigen zeigt sich weiter, daß auch hier der Anteil der Jugendlichen im Vereinigten Königreich in vollzeitschulischer Ausbildung im Vergleich mit insgesamt 36 % am niedrigsten liegt. 33 % dieser Altersgruppe befinden sich in teilzeitschulischen Bildungsmaßnahmen. Das berufliche Bildungswesen des Vereinigten Königreichs ist in den vergangenen 15 Jahren vor diesem Hintergrund weitreichenden Veränderungen unterworfen worden, um schulmüden Jugendlichen in Zeiten eines äußerst schwierigen Übergangs in die Arbeitswelt sinnvolle Alternativen anbieten zu können.

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