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Sex Pistols
1. Biographie
Die Sex Pistols waren eine der bekanntesten bzw. die bekannteste Punk-Band in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre. Sie werden gemeinhin als "Urväter des Punk" bezeichnet. Die Mitglieder der Band hießen John "Johnny Rotten" Lydon, Steve Jones, Paul Cook und Glen Matlock, der 1977 durch Sid Vicious ersetzt wurde. Weitere wichtige Menschen im Umfeld der Sex Pistols waren deren Manager Malcolm McLaren, dem nachgesagt wird, die Band entdeckt und berühmt gemacht zu haben, die Designerin Vivienne Westwood und der Grafiker Jamie Reed. Gemeinsamer kultureller Hintergrund von McLaren, Westwood und Reed waren die Pariser Studentenunruhen von 1968 und der Situationismus, sowie die Mitte der 70er Jahre entstandene New Yorker Punk-Szene um die Ramones, Richard Hell (dessen Aussehen einschließlich Sicherheitsnadeln und zerissener T-Shirts Johnny Rotten kopierte) und Johnny Thunders und deren musikalischen Vorbilder The Stooges mit Iggy Pop, MC5 und New York Dolls, die auch kurzfristig von McLaren gemanagt wurden.
Die Sex Pistols können wohl zu Recht als wichtigste Band der englischen Punkgeschichte gelten, auch wenn ihre Musik schon damals mehr Rock als Punk war. Die Band selbst lehnte das Etikett "Punk" für sich auch immer ab. Einfache Akkorde, gerade Basslinien, schnelles, hartes Schlagzeug, wie sie als Musikform noch bei heutigen Punk-Bands zu finden sind, wurden eher von anderen Bands wie den Ramones oder den Buzzcocks aus Manchester entwickelt. Neben der Musik trugen besonders die provokativen Texte und das schockierende Auftreten der Sex Pistols dazu bei, daß Punk zur bestimmenden Musik- und Kulturbewegung der späten 1970er Jahre wurde, und sie selber zu deren Ikone.
Die Band formierte sich 1975 in London. Nach ihrem Auftritt am "100 Club Punk Festival" bekamen sie einen Vertrag bei der Plattenfirma EMI. Ihre erste Single, "Anarchy in the UK", erschien im November 1976, wurde aber nach einem aufsehenerregenden Fernsehauftritt sofort von EMI zurückgezogen. Die zweite Single, "God Save The Queen", sollte zuerst bei A&M erscheinen, wurde aber noch vor der Veröffentlichung wieder eingestampft. Reich an Abfindungen, aber ohne erhältliche Plattenveröffentlichungen, unterschrieb die Band schließlich bei dem eigentlich verhassten Hippie-Label Virgin, wo im Mai 1977 "God Save The Queen" noch rechtzeitig zum Thronjubiläum der Queen veröffentlicht wurde. Die Single wurde angeblich die Nummer 1 in den englischen Charts, tauchte aber in den offiziellen Listen nie auf, angeblich wegen royalistischer Loyalität der Verantwortlichen. Die Single erlangte auch eine Menge Aufsehen, als die Band sich zum Geburtstag der Queen 1977 ein Boot mietete, welches ausgerechnet Queen Elizebeth hieß und damit einen Fluß hinunter fuhr, immer parallel zur Geburtstagsfeier und mit laut aufgedrehtem Verstärker die ganze Zeit ihren Hit rauf und runter spielte, bis ihnen ein dutzend Polizeiboote folgte und sie zwangen anzulegen. Sie spielten solange weiter, bis ihnen jemand den Stecker zog. Die Band kam aber nicht ungeschoren davon, sondern sie geriet auch noch in eine Schlägerei mit einer Horde Queenanhänger, bei der auch der Manager Malcom McLaren nicht zu kurz kam. Zudem wurde Johnny Rotten 4 Wochen später in einer dunklen Gasse von einigen Männern mit Rasierklingen und Rohren aufgelauert. All diese Vorkommnisse trugen dazu bei, daß der Song "God save the Queen" noch mehr Popularität gewann. Auf Grund vieler Auftrittsverbote trat die Band kaum auf, unternahm aber im Sommer 1977 eine Tournee durch Schweden. Ende 1977 erschien die erste (und eigentlich einzige) LP "Never Mind The Bollocks", die auf Grund ihres Titels Gerichtsverfahren wegen Obszönität zur Folge hatte.
Anfang 1978 gingen die Sex Pistols auf USA-Tournee, an deren Ende Johnny Rotten die durch die Machenschaften ihres Managers zerüttete Band verließ. In der Folge hielt der Rest der Band noch kurze Zeit zusammen, bevor sie sich endgültig trennten. Rotten, der sich wieder Lydon nannte, gründete Public Image Limited, Jones und Cook die Professionals. Malcolm McLaren veruntreute die Einnahmen der Band mit dem selbstverliebten Kinofilm "The Great Rock'n'Roll-Swindle" und nutzte die Anfänge von Rap und Hip Hop für eine Solokarriere. Er wurde in den 1990er Jahren von den überlebenden Bandmitgliedern wegen seiner Machenschaften erfolgreich verklagt. Glen Matlock gründete die Rich Kids und Sid Vicious strebte ebenfalls eine Solo-Karriere an und wurde Teil der New Yorker Heroin-Szene. Mit seiner Version des Frank Sinatra-Songs "My Way" konnte er sogar Charterfolge verbuchen. Ende 1978 wurde er jedoch in New York angeklagt, seine Freundin Nancy Spungen ermordet zu haben, starb aber vor den Verhandlungen am 2. Februar 1979 an einer Überdosis Heroin. Die überlebenden Mitglieder der Band gingen 1996 auf der Höhe des Punk-Revivals auf Welt-Tournee. Im Sommer 2002 spielten sie nochmal zum 50. Thronjubiläum der Queen und im Jahr 2003 eine erneute Revival-Tour in den USA.

2. Sex Pistols in Kürze
Gründung |
1972 |
Auflösung |
1978 |
Herkunftsland |
England |
Genre |
Rock / Punk-Rock |
Gründungsmitglieder |
John "Johnny Rotten" Lydon (Gesang) Steve Jones (Gitarre) Glen Matlock (Bass) Paul Cook (Schlagzeug) |
Spätere Mitglieder |
Sid Vicious (Bass) |
3. Diskographie (LPs)
- "Spunk ", 1977 (Bootleg von Malcolm McLaren mit Demoaufnahmen)
- "Never Mind The Bollocks, Here's The Sex Pistols", 1977
- "The Great Rock'n'Roll-Swindle" (Doppel-LP), 1979
- "Some Product" (Carry On Sex Pistols), 1979 (Collage aus Interviews und Rundfunksendungen)
- "Sid Vicious, Sid Sings " 1979
- "The Heyday ", 1979 (Cassette mit Interviews)
- "The Great Rock'n'Roll-Swindle", (einfache LP), 1979
- "Flogging A Dead Horse ", (Singles-Compilation), 1980
- "The Original Pistols Live ", (eine von Dutzenden halblegaler Live-CDs), 1985
- "Kiss This ", (von der Band autorisierte Compilation), 1992
- "Never Mind The Bollocks/Spunk", 1996, (Doppel-CD)
- "Filthy Lucre Live ", 1996, (Live von der Reunion-Tournee)
- "Winterland Concert 1978 ", (letztes Konzert vor dem Ausstieg von Johnny Rotten), 1996
- "Jubilee ", (Compilation), 2002
- "Sex Pistols", (3-CD-Box), 2002
4. Ein paar Weblinks
Sid Vicious
Sid Vicious (eigentlich John Simon Ritchie; geboren am 10. Mai 1957 in London, England; Gestorben am 2. Februar 1979 in New York, USA) war ein britischer Punkrock-Musiker und der Bassist der Band Sex Pistols. Im Alter von 21 Jahren starb er an einer Überdosis Drogen.
"Undermine their pompous authority, reject their moral standards, make Anarchy and disorder your trademarks, cause as much chaos and disruption as possible but don’t let them take you alive."
(Sid Vicious, 1977)
Sid Vicious, unehelicher Sohn von Ann Beverly (seinen Nachnamen hat er von seinem Vater), wuchs nach einem kurzen Intermezzo in Ibiza im Osten Londons auf und besuchte unter anderem die Gesamtschule und weiterführend die Fachoberschule. Am Hackney College studierte er zwei Semester Fotografie, bevor er das College verließ und in die gerade aufkeimende Londoner Punkszene eintauchte.
Sid Vicious war ein enger Freund des Sex-Pistols-Sängers Johnny 'Rotten' Lydon; sein Künstlername Sid Vicious ging angeblich auf den Namen von Lydons Hamster zurück. Vicious wurde Teil des so genannten Bromley Contingent, einer Gruppe glühender Verehrer der Sex Pistols und modischer Vorreiter der Punkbewegung, der auch Siouxsie Sioux und Billy Idol angehörten.
Seine musikalische Karriere startete Sid Vicious mit der Band The Flowers of Romance, die niemals öffentlich auftrat oder Alben produzierte. Später war er Drummer der Gruppe Siouxsie and the Banshees, die sich aus Mitgliedern des Bromley Contingents zusammen setzte und 1976 ihren legendären Debütauftritt beim 100 Club Punk Festival hatte.
Als im Februar 1977 Bassist Glen Matlock die Sex Pistols verließ, übernahm Vicious den Part, obwohl er keinen Bass spielen konnte - seine Rolle war mehr die des personifizierten Punks in der Band. Seine Basspartien für die Alben spielte laut Band-Biografie England's Dreaming der Gitarrist Steve Jones ein, und auf Konzerten wurde sein Instrument leise gemischt.
Sid Vicious hatte seit November 1977 eine Liebesbeziehung mit Nancy Spungen, einem US-amerikanischen heroinsüchtigen Groupie, und ließ sich selbst auf eine Drogenkarriere ein. Die Folge war eine enge, aber oft gewaltdurchsetzte Beziehung, die ihren vorläufigen Höhepunkt in der Auflösung der Sex Pistols Anfang 1978 hatte.
Im Oktober 1978 fand man Nancy Spungen erstochen neben dem unter Drogen stehenden Vicious in einem Hotelzimmer in New York City auf - er wurde wegen Mordverdachts festgenommen und gegen eine Kaution von 50.000 US-Dollar, die von der Plattenfirma Virgin Records gestellt wurden, im Februar 1979 auf freien Fuß gesetzt. Nach einem Drogenentzug im Gefängnis war er scheinbar "clean", setzte sich jedoch bei einer Party zur Feier seiner Freilassung eine Überdosis und starb am 2. Februar 1979 in Sevillia, Spanien. Spekulationen, daß er nicht über den Tod seiner Freundin hinweg gekommen war und Selbstmord begangen hatte, hielten sich hartnäckig.
Der Mord an Nancy Spungen wurde nach Vicious' Tod nie gerichtlich aufgeklärt. Ann Beverly streute angeblich die Asche ihres Sohnes auf dem Grab Spungens aus.
Durch Sid Vicious kam das Heroin in die Punkszene und damit das Moment der Selbstzerstörung. Dieses Phänomen war schon aus frühen Rock'n'Roll-Tagen bekannt: "Live Fast - Die Young". Mit Sid kamen auch die Lederjacken (zurück), die Nietengürtel und die uniformierende Stachelhaarschnitte. Sid Vicious wurde zum Verfolgten des Establishment hochstilisiert. Ebenso ist auf ihn die angebliche Punkattitude, daß man die bürgerliche Spießergesellschaft durch Selbstzerstörung boykottieren kann, zurückzuführen.
1986 produzierte Alex Cox den Film "Sid and Nancy", der sich fiktiv mit der Lebensgeschichte der beiden auseinandersetzt.
John Lydon
John Lydon (Künstlername "Johnny Rotten"; geboren am 31. Januar 1956 in London) ist ein britischer Musiker und ehemaliger Sänger der Punkband "Sex Pistols".
John Lydon stammt aus einer englisch-irischen Arbeiterfamilie und wurde in den späten 1970ern zu einem der Protagonisten der Punkbewegung. Seit 1979 arbeitet Lydon als "Public Image Ltd." (kurz PIL) mit experimentellen Klängen und Ethno-Elementen. 1999 bis 2000 moderierte Lydon insgesamt drei Folgen von "Rotten TV" beim amerikanischen Musiksender VH-1. 2004 war Lydon in der englischen Version der Fernsehshow "Ich bin ein Star! Holt mich hier raus!" zu sehen.
Steve Jones
Steve Jones (geboren am 3. September 1955 in London) ist ein Rock-Gitarrist und Sänger, der als Mitglied der Punk Rock Band Sex Pistols Berühmtheit erlangte.
In London geboren, wuchs er wie andere Mitglieder der Sex Pistols in der Gegend von Shepherd's Bush auf.
Nachdem sich die Sex Pistols getrennt hatten, spielte Jones mit Iggy Pop und verfolgte in den 1980ern und frühen 1990ern eine Solokarriere. Er nahm an der Reunion der Sex Pistols teil und ist momentan beim Radio in Los Angeles beschäftigt.
Paul Cook
Paul Cook (geboren am 20. Juli 1956 in London) war Schlagzeuger und Gründungsmitglied der Sex Pistols.
Nach der Trennung der Sex Pistols arbeitete Cook zusammen mit Steve Jones am Soundtrack zum Film "The Great Rock N' Roll Swindle".
Später gründeten sie die Band The Professionals, die sich 1982 wieder auflöste.
Glen Matlock
Glen Matlock (geboren am 27. August 1956 in Greenford) war Bassist und Gründungsmitglied der Sex Pistols. Ende Februar 1977 verließ er die Band, die in Sid Vicious Ersatz fand.
Es gibt viele Spekulationen, über Matlocks Ausstieg bei den Sex Pistols. Es wird behauptet, daß er gehen mußte, weil er die Beatles mochte. In einem Fernseh-Interview im Jahr 2002 sagte Sex Pistols-Gitarrist Steve Jones, er hätte gehen müssen, weil er sich die Füße zu oft wusch. In seiner Autobiographie "I Was a Teenage Sex Pistol" schrieb Matlock, daß er die Band aus eigenem Antrieb verlassen hätte, weil er "die Schnauze voll" hatte.
Später spielte Matlock den Bass-Part auf Sid Vicious Solo-Album "Sid Sings".
Zu den Revival-Touren der Sex Pistols in den Jahren 1996 und 2003, sowie zum 50. Thronjubiläum der Queen schloß Matlock sich den übrigen überlebenden Sex Pistols kurzzeitig an.
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