Führerschein, -prüfung(en), Fahranfänger
1. Allgemeines zum Führeschein
In Großbritannien darf man ab 17 Jahren ein Auto oder Kleinlastwagen bzw. Lieferwagen fahren. Mit einer Sonderegelung (z.B. Schwebeschädigtenausweis) kann man schon mit 16 Jahren eine vorläufige Fahrerlaubnis erwerben. Mopeds und leistungsreduzierte Motorräder dürfen generell schon ab 16 Jahren gefahren werden. Bis die Führerscheinprüfung erfolgreich bestanden wurde, erhält der Fahrschüler eine vorläufige Fahrerlaubnis und muß das rote "L"-Schild (ein großes rotes L auf weißem Hintergrund; siehe nebenstehende Darstellung) an der Vorder- und Rückseite seines Fahrzeuges anbringen. Außerdem müssen die Fahrschüler von einer erwachsenen Person, die mindestens 21 Jahre alt ist und seit mindestens drei Jahren den Führerschein besitzt, begleitet werden.
Demnächst wird von der DVLA eine neuer Führerschein ausgegeben. Mehr darüber können Sie hier erfahren.
Die Führerscheinprüfung besteht aus drei Teilen:
- Die theoretische Prüfung ("Theory test")
- Gefahrenwahrnehmungstest oder Reaktionstest ("Hazard Perception Test")
- Die praktische Prüfung oder Fahrprüfung ("Supervised Driving Examination")
Die Einführung dieser Prüfungen erfolgte im Jahre 1903 durch den "Motor Car Act". Qualifiziernde Prüfungen (Führerschein- und Fahrprüfungen) wurden im Jahre 1935 durch die "Motor Vehicles Regulations 1935" eingeführt. Diese wurden jedoch durch den zweiten Weltkrieg ab 1939 für sieben Jahre und 1956 durch die Suez Krise für ein weiters Jahr außer Kraft gesetzt.
Die einizge Person, die Großbritannien keinen Führerschein benötigt, ist die Queen (war wohl auch nichts anders zu erwarten). Außerdem braucht sie auch keine Kennzeichen an irgendeines ihre Fahrzeuge anbringen (und zahlt bestimmt auch keine Steuern).
2. Die Führerscheinprüfungen
2.1. Die theoretische Prüfung
Die theoretische Führescheinprüfung dauert 40 Minuten und schließt die Beantwortung von 35 Fragen (Multiple-Choice Verfahren) aus einer Vielzahl von Themen wie beispielsweise Fahrzeugtechnik (Mechanik und Elektronik) , Straßenverkehrsordnung und Verkehrsrecht ein. 30 von 35 Fragen müssen richtig beantwortet werden, damit man diese Prüfung bestanden hat.
Direkt anschließend folgt gewöhnlicherweise der Reaktions- oder Gefahrenwahrnehmungstest. Wenn man dann beide Prüfungen bestanden hat, muß noch die praktische Prüfung absolviert werden.
2.2. Gefahrenwahrnehmungstest oder Reaktionstest
Den Kandidaten werden 14 einminütige Videoausschnitte vorgeführt, die aus der Sicht eines Autofahrers aufgenommen worden sind. Sie müssen dabei aufkommende Gefahren anzeigen; heutige üblicherweise durch Klicken mit der Maus auf entsprechende Schaltflächen. Alle Filme beinhalten eine aufkommende Gefahrensituation und ein Film sogar zwei. Je früher man die Gefahr erkennt, desto mehr Punkte kann man erzielen. Bis zu maximal fünf Punkte pro Video. Übermäßiges und hecktisches Herumklicken wird jedoch durch Punktabzug bestraft.
Diese Prüfung folgt normalerweise direkt auf die theoretischen Prüfung. Jetzt braucht man nur noch die praktische Prüfung zu bestehen und man hat die Führerscheinprüfung bestanden.
2.3. Die praktische Prüfung oder Fahrprüfung
Die praktische Prüfung wird auf der Straße durchgeführt, wobei der Prüfer den Kandidaten über eine vorbestimmte Route, die dem Kandidaten natürlich nicht bekannt ist, leitet. Der Prüfer notiert sich bei jedem Kandidaten entstandene Fahrfehler (üblicherweise kleinere Fehler oder Kleinigkeiten genannt), gröbere und ernsthaftere Fehler. Der Kandidat hat die Prüfung nicht bestanden, wenn er oder sie einen gröberen und ernsthafteren Fehler oder mehr als 15 Fahrfehler begangen hat.
"Zeig' mir..., Erklär' mir..."
Bevor der Kandidat auf die Straße gelassen wird (also zur praktischen Prüfung), werden ihm vom Prüfer zwei grundlegende Fragen über Wartung oder Sicherheit gestellt. Diese Fragen werden immer der Form "Zeig' mir..., Erklär' mir..." gestellt. Zum Beispiel:
"Zeig' mir... Wie überprüft die Servolenkung man bevor man losfährt..."
"Zeig' mir... Öffne die Motorhaube und zeig mir, wo man den Ölstand prüft und Erklär' mir, wie man den Ölstand prüft..."
Werden eine oder beide Fragen nicht richtig beantwortet, so werden diese als Fahrfehler bewertet und dem Kandidaten angelastet (Situation sieh oben).
Fahrzeugbeherrschung
Während der praktischen Prüfung muß der Kandidat einmal rückwärts einparken. Dies kann entweder eine Parkbucht auf dem Testgelände sein oder ein Parkstreifen neben der Straße. Der Kandiat muß zusätzlich eine Wendung auf der Straße durchführen oder rückwärts um eine Kruve fahren (linksdrehend). Einer von drei Kandidaten muß außerdem noch eine Notbremsung vollziehen. Welche Übungen der jeweilige Kandiat durchzuführen hat, hängt alleine vom Prüfer ab.
2.4. Abschluß
Wenn man diese drei Prüfungen bestanden hat, erhält man den Führeschein. Die aktuelle Durchfallrate beträgt 57,2%, d.h. nicht einmal jeder zweite Kandidat schafft die Prüfung auf's erste Mal.
3. Das "L"-Schild
3.1. Allgemeines
Das "L"-Schild ist ein quadratische Schild, welches den Buchstabe "L" in der Schriftart Sans Serif. "L" steht für "Learner". Das Schild muß an der Vorder- und Rückseite des Fahrzeuges von Fahranfängern und Fahrschülern angebracht werden.
3.2. Fahrschüler
In Großbritannien, Irland und Hong Kong ist es ein rotes L auf weißem Grund; in Australien und Neuseeland ist es ein schwarzes L auf gelbem Grund und in der Schweiz ein blaues L auf weißem Grund. Das Schild besteht aus Hartplastik und besitzt entweder eine magnetische Rückseite oder ist mit Saugfüßen auf der Rückseite ausgestattet. Es kann sowohl an Tankstellen als auch im Autmobilzubehörhandel gekauft werden. Fahrschulfahrzeuge haben auf dem Dach entsprechende Zeichen, die darauf hinweisen, daß es sich um ein Fahrschulfahrzeug handelt. Diese Fahrzeuge tragen ebenfalls das "L"-Schild.
Für Fahranfänger kann es nioch zusätzliche Auflagen geben. So ist in Nordirland beispielsweise das Fahren mit dem "L"-Zeichen auf maximal 45 mph (etwa 72 km/h) beschränkt. In New South Wales (Australien) dürfen Fahranfänger maximal 50 mph (also 80 km/h) fahren.
In Wales sieht die Situation ein bißchen anders aus. Denn hier findet man anstelle des "L"-Schildes ein "D"-Schild. "D" steht ebenfalls für "Learner"; allerdings heißt das in walisisch "dysgwr" und daher wird das "D" verwendet.
3.3. Fahranfänger
Nach dem die Fahrschüler in Großbritannien ihre Prüfungen bestanden haben, können sie auf Wunsch ein weiteres Schild beantragen: Ein grünes "L" auf weißem Grund. Dieses Schild weist dann andere Kraftfahrer darauf hin, daß dieser Fahrer noch ziemlich unerfahren ist und ihm eventuell Fahrfehler unterlaufen können. Allerdings löste diese Idee einige Kontroversen aus, da man bei schlechten Sichtverhältnissen (Regen, Schneefall, in der Dämmerung) die beiden Farben rot und grün schlecht unterscheiden kann; außerdem gibt es auch noch Kraftfahrer, die an der Rot-Grün-Blindheit leiden. Die haben es besonders schwierig. Daher setzen einige Leute eher auf eine grünes "P" anstelle des "L". P steht dann für "Probe" oder "Probezeit".
In manchen Staaten Australiens erhalten Fahranfänger für eine gewisse Zeit eine vorläufige Fahrerlaubnis. In dieser Zeit müssen sie sich für den Straßenverkehr qualifizieren, damit sie eine richtige Fahrerlaubnis erhalten können. Fahrer mit einer vorläufigen Fahrerlaubnis unterliegen im Gegensatz zu normalen Fahrzeugführern Einschränkungen. Diese können Geschwindigkeitsbeschränkungen, Beschränkungen in der Blutalkoholkonzentration und in der Anzahl von Strafpunkten sein. In den meisten Staaten sind Fahranfänger per Gesetz verpflichtet, das "P"-Schild für eine unbestimmte Zeit am Fahrzeug zu führen. Das "P" ist normalerweise rot und weißem Untergrund. Es kann aber auch eine weißes "P" auf rotem Untergrund sein. In New South Wales gibt zwei Klassen von vorläufigen Fahrerlaubnissen. So müssen Fahranfänger im ersten Jahr das rote "P" auf weißem Grund am Fahrzeug anbringen und nach einer weiteren Prüfung dann das grüne "P" auf weißen Grund für die nächsten zwei weiteren Jahre.
In Nordirland muß der Fahranfänger nach bestandener Prüfung für ein Jahr mit einer Geschwindigskeitsbeschränkung auf 45 mph leben und ein "R"-Schild (orangenes R in Sans-Serif auf weißem Grund) am Fahrzeug führen. "R" steht hier für "Restricted". In Nordirland besitzt das "L"-Schild meist auf der Rückseite das entsprechende "R"-Zeichen, so daß man es nach der bestandenen Prüfung einfach nur umdrehen braucht.
Soweit die Ausführungen über Fahrschule, Fahrschüler und Fahranfänger. Im Vergleich zu Deutschland unterliegen sie wesentlich strengeren Auflagen als wir. Ob sie deswegen besser fahren als wir, das sei dahingestellt...
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