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Irland Sommer 1992
"DAS JAHR 1992"
(AUF DER SUCHE NACH GUINNESS)
VOM 05.08.1992 BIS 25.08.1992
Der nachstehende Urlaubsbericht wurde zu einer späteren Zeit als Rückblick auf diesen verfaßt. Daher kann an dieser Stelle kein Kalender mit den entsprechenden Links auf die einzelnen Tage angeboten werden (wie in den nachfolgenden Berichten dies der Fall sein wird); es handelt sich hierbei nur um einen geschlossenen Bericht in seiner Gesamtheit. Der Kalender vermittelt daher nur einen Überblick über die verbrachten Urlaubstage.
Kalender (August 1992)
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1992. Das Jahr an dem ich einmal nicht nach Schottland gefahren bin. Dafür mit Martin nach Irland, so wie wir es im August des letzten Jahres in Holyhead besprochen hatten; allerdings ohne Jürgen, denn die Nervensäge wollten wir uns nur einmal antun.
Also sind wir beide zusammen am Montag, den 5. August 1992 so gegen Mitternacht daheim losgefahren. Wir hatten keine Eile mit der Fahrt nach Calais, denn die Fähren von Calais nach Dover und Holyhead (in Wales) nach Dùn Laoghaire (in Irland) waren schon im Voraus gebucht. Ebenso die dazugehörigen Rückfahrten und die erste Übernachtung in Dalkey, einem Vorort von Dublin. Die Übernachtungen in Wrexham (Wales) hatte ich ebenfalls vorausgebucht; bei unserer Mrs. Peggy Martin, logisch. Wir kamen recht gut voran, die Fahrt war problemlos und wir erreichten Calais schon gegen 12 Uhr mittags. Nun hatten wir aber die Fähre erst für 15 Uhr gebucht und sollten daher an die drei Stunden warten müssen. Das Glück schien uns zu diesem Zeitpunkt noch wohlgesonnen, denn es war noch etwas Platz auf der Fähre (dem Luftkissenboot oder auch Hovercraft genannt) und da wir wieder mit dem Opel Corsa (leider seine letzte Fahrt, danach habe ich ihn dummerweise verkauft und mir einen Alfa zugelegt, mit dem keine rechte Freude hatte) unterwegs waren und das Auto relativ klein ist, hat man uns noch in die 12-Uhr-Fähre reingequetscht. So kamen wir schon um 13 Uhr MEZ bzw. 12 Uhr GMT in Dover an. Die Überfahrt war ein echtes Abenteuer. Der Kapitän schien ein Sadist zu sein, denn er steuerte jede Welle direkt an; das Boot machte ab und zu ganz schöne Sprünge. Wir beide hatten unseren Spaß, die chinesische Familie neben uns weniger. Ausgenommen deren kleinste Tochter. Ihr schien das wie uns ebenfalls einen Heidenspaß zu machen, während ihre Mutter die Gesichtsfarbe von normal über leicht grün bis dunkelgrün wechselte und ständig nach den Kotztüten griff. So hatten wir drei Stunden Ersparnis, nicht schlecht, denn bis zu unserem ersten Ziel, Salisbury, war noch ein ganzes Stück zu fahren. Insgesamt haben wir an diesem Tag über 1.200 Kilometer "gefressen". Aber zu zweit war das kein großes Problem. 1998 bin ich die Strecke ganz alleine gefahren, dies war wesentlich anstrengender.
In Salisbury stürzten wir sofort ins Tourist Office und bekamen auch gleich eine recht angenehme Unterkunft nicht allzu weit vom Stadtkern entfernt. Da wir ja schon 1991 hier waren, kannten wir uns aus und fanden uns daher auch gleich wieder zurecht. Am Abend war dann das übliche Programm mit Fish'n'Chips und Pub angesagt und am nächsten Tag stürmten wir Richtung Wales; endlich raus aus diesem verhaßten England. Wrexham war ebenfalls gewohnt erfreulich, wir trafen unsere Freunde vom letzten Jahr im gleichen Pub wieder; eine riesige Wiedersehensfreude, die mit einigen Pints mehr begossen wurde. Tags darauf vollendeten wir die letzte Etappe vor Irland; die Etappe nach Holyhead zum Fährterminal. Auf dem Weg dorthin mußten wir logischerweise, nahe Bangor, noch diesen verrückten Ort besuchen, dessen Ortsname mit 58 Buchstaben länger als sein Bahnsteig war. Gegen Mittag angekommen, mußten wir diesmal wirklich warten, bis die Fähre endlich um 15 Uhr ablegte. Da die Fähren zwischen Wales und Irland nur dreimal täglich verkehren und nicht wie über den Kanal im Stundentakt, hatten wir viel Zeit, uns dort umzusehen und mit einem älteren Ehepaar ein Schwätzchen über seinen uralten Morris Minor 1000 zu halten. Wie gesagt, um 15 Uhr legte die Fähre ab und um 18 Uhr 30 kamen wir endlich in Irland an.
Die Küstenlandschaft beeindruckte uns schon, als wir uns noch der Inseln näherten (später sind wir fast nur an der Küste entlang gefahren; das hat uns am besten gefallen). Also runter von der Fähre und immer der Nase nach, Richtung Dalkey. Irland ist ja ein sehr konservatives Land. Diese Erfahrung machten schon innerhalb der ersten Stunden als wir nämlich in Dalkey auf einem Steinmäuerchen saßen und unsere Fish'n'Chips verdrücken (wollten). Die Polizei hatte aber etwas dagegen und hatte uns verjagt, denn so etwas ziert sich nicht, da herum zu sitzen wie die letzten Penner. Also sind wir mit unseren Fish'n'Chips abgezogen und in den nächsten Pub rein. Daß wir sofort Guinness bestellt haben, braucht wohl im Landes des Guinness nicht erwähnt werden; erwähnt werden sollte hier jedoch, daß wir in den nächsten Tagen und Wochen nichts anderes getrunken haben, außer vielleicht einmal ein Pint Murphy's. Das ist aber ebenfalls ein irisches Bier und so blieben dem Lande treu. Am nächsten Tag startete dann unsere "Tour d'Irland". Zuerst Richtung Limerick, vorbei am Rock of Cashel, Tipperaray ("It's a long way to Tipperaray, it's a long to go..."; wer denkt da nicht an den Film "Das Boot") und sonst einigen interessanten Punkten bis eben nach Limerick, der Stadt dieser dämlichen Sprüche.
Die Nacht zuvor verbrachten wir noch in Kilkenny, einem kleinen Ort im Südwesten Irlands, der sogar über eine der insgesamt drei Brauereien Irlands verfügt: Die Brauerei Kilkenny, die allerdings nur in Irland nicht so heißt; hier nennt man sie Smithwick's und Kilkenny außerhalb. In Limerick selbst hatten wir eine sehr gute Unterkunft bekommen und Mrs. Feeney war sehr freundlich zu uns. Allerdings mußten wir, bis wir nur in die Nähe der Stadt kamen, über eine halbe Stunde laufen. Hin ging es ja, aber zurück...
In Limerick verbrachten wir das erste Wochenende mit Ausflügen nach Cork und einer zweitägigen Tour entlang des Rings of Kerry. Dies hatte uns aber auch ausnehmend gut gefallen, auch wenn es im Süden Irlands nicht ganz unser Wetter war; es war verdammt warm. Später wären wir froh gewesen, hätten wir noch einmal ähnliche Temperaturen gehabt. Am darauffolgenden Montag zog es uns endgültig Richtung Norden, nach Galway. Das Wetter wurde immer besser, die Temperaturen erreichten mühselig gerade 'mal die 10°C-Marke und es hat tagelang in Strömen geregnet. In Galway hatten wir noch ein besonderes Erlebnis. In der Unterkunft, wo wir die Nacht verbrachten, zogen zwei Mädels ein. Ebenfalls aus Deutschland (aus Unterfranken). Sie hatten Deutschland fluchtartig verlassen, weil zur Zeit dort Temperaturen von bis zu 42°C herrschten; das war ihnen entschieden zu warm. So sind wir vier dann den ganzen Abend durch Galway gezogen, von einem Pub in den anderen. Leider wollten die beiden Mädels Richtung Süden weil sie vom Norden kamen und wir Richtung Norden, weil wir vom Süden kamen. So haben wir uns aus den Augen verloren. Leider! Denn sie waren wirklich nett. Aber der Norden war uns einfach angenehmer. Die nächste Station war Sligo im nördlichen Teil Irlands, kurz vor der Grafschaft Donegal. Von hier aus zogen wir weiter Richtung Westen nach Ballina, nicht ohne vorher die weltberühmten Cliffs of Moher gesehen zu haben und von dort zurück nach Sligo, ehe wir nach Letterkenny im Donegal kamen. Von Sligo aus führten wir unsere erste Reise nach Nordirland durch. Über die Grenze zu kommen war fast schwerer als damals in die DDR. Reisepaß, Führerschein, sonstige Dokumente wurden überprüft, nachgefragt, die Seriennummern notiert und das Auto durchsucht; aber erst nach eingehender Befragung, was wir eigentlich dort in Nordirland wollten. Als Tourist hatte man es zu jener Zeit nicht leicht. Von Sligo aus Richtung Letterkenny und dann in einem großen Bogen durch die Grafschaft Donegal. So setzten wir die Rundreise fort. An dieser Stelle muß erwähnt werden, daß ich mich auf die Reise besonders gut vorbereitet hatte; ich hatte nämlich das ganze Jahr zuvor irisch (also die gälische Sprache, nicht der irische Dialekt der englischen Sprache) gelernt, was uns nun im Donegal (wo noch sehr viel gälische gesprochen wurde) sehr zur Hilfe kam. Das fängt ja schon damit an, daß alle Orts-, Richtungs- und Straßennamen sowie die Verkehrsschilder in gälisch geschrieben sind und meisten Karten nur in englisch gedruckt waren; unsere war auf jeden Fall NUR englisch!
Vom Donegal aus überquerten wir zum zweiten Mal die Grenze nach Nordirland, denn wir wollten das kommende Wochenende in Londonderry (die Iren sagen nur Derry) verbringen. Also über die Grenze kamen wir diesmal ganz gut, aber kurz hinter der Grenze erwischte es uns dann doch noch. Straßensperre und Fahrzeugkontrolle. Im ersten Augenblick sahen wir das ganz gelassen aber nach einem genaueren Blick in die Umgebung erkannten wir, daß mindestens auf jeder Straßenseite drei Soldaten hinter ihren MGs im Straßengraben lagen; die anderen hielten ihre Waffen einsatzbereit in den Händen, den Finger immer am Abzug. Hier hörte der Spaß auf und so ganz wohl war es uns nicht mehr zumute. Besonders dann, als der Anführer auf unser Fahrzeug zukam und prompt auf die falsche Seite des Autos (wir waren ja mit einem kontinentalen Fahrzeug unterwegs) zusteuerte. Er erkannte zwar seinen "Fehler", war danach aber noch wesentlich grimmiger aufgelegt. Auf jeden Fall kamen wir nach eingehender Kontrolle ungeschoren davon und erreichten nachmittags Derry, das Tourist Office und unsere Unterkunft. Diese war allerdings eine wirkliche Wucht. Ein schloßähnliches Gebäude droben auf einem Hügel, so daß wir einen phantastischen Blick auf Derry hatten und dennoch nicht allzu weit laufen mußten. Unser Wirt war so etwas von freundlich und aufgeschlossen, daß wir am Sonntagnachmittag sogar mit der gesamten Familie am Kaffeetisch im Wohnzimmer saßen, Tee tranken, Kuchen aßen und gemeinsam fernsahen. Echt wie in einer richtigen Familie. Beim samstäglichen Frühstück fragte uns der Wirt, ob wir nicht die nette junge Dame mitnehmen wollten; wir hatten ihm zuvor erzählt, daß wir heute zum Giant's Causeway und nach Bushmills (die älteste Whiskey Destillerie in Irland, erbaut um 1562) fahren wollten. Diese nette, junge Dame war Französin und wir hatten beileibe nichts dagegen; sie war sehr nett, nur ihr englisch war es weniger. Zum Glück konnte ich einigermaßen französisch. Also fuhren wir zu dritt, zuerst nach Bushmills, zur Besichtigung. Nun hatte ich das unverschämte Glück, daß wir ausgemacht hatten, Martin fährt heute. Nach der Besichtigung bekam aber jeder Gast ein Glas Whiskey zum Probieren und in der Hoffnung, daß man eine Flasche dort kaufen würde. Bei den Preisen zog ich es aber vor, dies auf der Fähre zu tun. Martin fuhr und durfte daher nichts trinken, die Französin mochte keinen Whiskey und so mußte ich mich "erbarmen", denn einen so guten Whiskey lasse ich nicht umkommen. Nach drei ordentlichen Whiskeys, und das waren sie wirklich, war ich nicht mehr so ganz Herr meiner Sinne. Wenigstens eine gewisse Zeit lang.
Das Wetter war stürmisch, rauh und regnerisch, so daß ich wieder relativ schnell nüchtern wurde; den Giant's Causeway wollte ich auf gar keinen Fall versäumen. Was auch nicht geschah. Dafür haben wir beide zusammen gut und gerne acht Filme, sowohl Farbe als auch schwarzweiß "verballert". Er war es aber auch wert. Übrigens sind wir am Sonntagvormittag noch einmal hingefahren, da hatte es dann nicht mehr so stark geregnet und die Bilder wurden besser. Und am Nachmittag schnell nach Belfast, wollten wir uns doch das Zentrum des Aufstandes genauer anschauen. Gesehen hatten wir nicht viel; Belfast war am Sonntagnachmittag wie ausgestorben, nur der eine oder andere Tourist war zu sehen. Dagegen hat uns Derry jeden Tag auf Trab gehalten. Denn wenn wir in die Stadt wollten, mußten wir über den Liffey (der Fluß, der durch Derry fließt und die Stadt zweiteilt). Auf der Brücke, es gab insgesamt eh nur zwei, standen tagein tagaus britische Soldaten und kontrollierten Pässe und fragten, wer denn wo hin wollte. So also auch uns. Wir fanden es wieder lustig, hüteten uns aber, dies öffentlich zu zeigen. Man weiß ja nie! Auch photographieren ließen sich die Soldaten nicht. Höchstens aus versteckten Positionen, wo sie uns nicht sahen. Aber das wußte man nie, ob dem auch wirklich so war. Derry gehörte zu meinen schönsten Erinnerungen an Irland. Der Montag brachte uns dann wieder zurück in die Republik Irland. Die Grenzübertritte waren jedesmal ein Abenteuer, aber wir erreichten letztendlich Dublin vom Norden her und bezogen Quartier dort bevor wir die letzte irische Nacht wieder in Dalkey verbringen sollten. Unser Wirt in Dublin war schon ein recht sonderbarer Kauz. Vermutlich früher einmal Soldat, denn er sagte immer "Come on Boys" zu uns und ich war zudem nicht sicher, ob vielleicht nicht auch schwul war. Gefallen hatte es uns dort überhaupt nicht; denn besonders sauber war es auch nicht. Dafür entschädigte uns der letzte Tag. Wir sind dann mit der Bahn nach Dublin rein, durch die Stadt gebummelt, hier und dort photographiert, den einen und anderen Pub besucht (auch den, wo James Joyce seinen "Ulysses" geschrieben hatte), die O'Connel Street rauf und runter, mit dem Bus zur Guinness Brauerei gefahren (in der St. James Street), uns dort das Museum (Hop-Store) mit Gratis Halfpint angesehen (war stark beeindruckend, besonders die Multimediashow) und zurück ins Zentrum, wo wir zum Abschluß in ein Restaurant gingen, in dem wir vorzügliche Fish'n'Chips bekamen.
Am nächsten Tag der Abschied von Irland. Gegen 9 Uhr morgens ging die Fähre zurück nach Holyhead (Wales) und um die Mittagszeit waren endlich über die irische See rüber. Sofort nach Wrexham weiter, unser Quartier bei Mrs. Peggy bezogen und ab in die Stadt zu unserem Fish'n'Chips-Laden und in unseren Pub. Großes Hallo, große Freude, viele Pints. Eine ganze Woche blieben wir noch in Wrexham, sind dort viel umhergefahren bevor wir direkt nach Dover zurück sind, wo wir noch eine Nacht verbrachten (unser Wirt dort war übrigens Ire und mächtig stolz darauf, daß wir in Irland waren und daß es uns so gut gefallen hat). Tags darauf sind wir mit dem HoverSpeed, dem Katamaran, über den sehr bewegten Kanal. Vielen war das zuviel Bewegung und manche sind nur einmal auf das Klo und erst wieder runter, als wir in Calais angelangt waren. Ich verstehe nicht, daß die anderen Passagiere solche Schwierigkeiten hatten; uns beiden hat es saumäßig gefallen und schlecht ist uns nie geworden. Von Calais aus dann im "Direktflug" nach Hause. Allerdings hatte auf dieser Urlaubsfahrt auch unsere Freundschaft einen erheblichen Knacks bekommen. Dies geschah so, daß wir irgendwo im Süden Irlands zum Tanken mußten und Martin zu dieser Zeit hinter dem Steuer gesessen war. Als wir uns dieser gewissen Tankstelle näherten, sagte ich zum Martin, "Paß' auf, der Randstein erscheint mir hier sehr hoch; fahr' langsam!" Sagen konnte ich viel, genützt hatte es dennoch nichts, denn Martin fuhr mit Volldampf den Randstein hoch. Dies hatte zur Folge, daß mein heiß geliebter Opel so einige Blessuren davontrug. Die Spur vorne war verzogen, der rechte vordere Querlenker war verbogen und das Bodenblech hatte so manche Schramme davongetragen. Auf den Reparaturkosten blieb ich sitzen, denn er redete sich damit heraus, daß ich es ihm nicht beweisen könne und daß ich diesen Schaden ebenso hätte verursacht haben können. Ich habe daraufhin kein weiteres Wort über dieses Thema verloren und hatte mich innerlich bereits zu diesem Zeitpunkt darauf eingestellt, diese Freundschaft sterben zu lassen, was dann auch nach diesem Urlaub der Fall war. Und daher kam es, daß ich ab dem kommenden Jahr nur noch alleine in den Urlaub, d.h. nach Schottland, gefahren bin. Davon jedoch mehr im kommenden Abschnitt...
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