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Die Highland Clearances

Das düsterste Kapitel der Schottischen Geschichte: Die Highland Clearances. Geprägt vom kapitalistischen Ehrgeiz des schottischen (und englischen) Adels, die nur noch die Produktion von Schafen und damit Wolle für die Herstellung von Uniformen für die Armeen in den Augen hatten.

"Ich erinnere mich, daß man auf dem Weg das Tal hinauf
alle halbe Stunde oder ganze Meile ein Dorf sah ...
Die Leute ... lebten zufrieden ... Es mangelte ihnen an nichts.
"

So schrieb Angus MacKay, der 1813 aus Strathnaver (Sutherland) vertrieben wurde. Wer heute durch dieses Tal fährt, bekommt auf über 30 Kilometer kaum ein Haus zu sehen. Überall in Sutherland, Ross, Lochaber sowie auf den Hebriden findet man Reste und Ruinen ganzer Dörfer, zwischen denen heute Schafe weiden.

Die Räumung weiter Landstriche im Nordwesten Schottlands zwischen 1780 und 1850 gilt als eines der traurigsten Kapitel in der Geschichte der Highlands.

Doch wie konnte es dazu kommen?

Nach dem Scheitern der der letzten Jakobitenaufstände im Jahre 1746 (Bonnie Prince Charlie, die Schlacht von Culloden) wurden die Ländereien vieler Clan-Chiefs konfisziert. Als die Regierung sie 1784 zurückerstattete, lebten schon viele Clan-Chiefs in Edinburgh oder sogar in London und setzten Verwalter ein, um das größtmögliche Einkommen herauszuholen. Man entschied sich für Viehhaltung, die mit geringen Kosten und hohen Erträgen verbunden war.

1792 wurden erstmals große Schafherden gegen den Widerstand der Einheimischen in die Highlands getrieben. Bald begannen Räumungen im großen Stil. So ließ der Gutsverwalter des Herzogs von Sutherland den Familien, die sich widersetzten, das Dach über dem Kopf anzünden. Der Chief der MacDonells of Glengarry räumte "seine" Halbinsel Knoydart, indem er einfach 520 Personen nach Kanada verschiffen ließ.

Besonders rücksichlslos ging ging der später durch den englischen König in den Adelsstand erhobene Großgrundbesitzer George Levenson-Gower vor, ein Industrieller, der in die alte Familie Sutherland eingeheiratet hatte und er wegen seines immensen Vermögens »Leviathan des Reichtums« genannt wurde.

Die Tragödien vieler Gemeinden sind zu zahlreich, um sie hier aufzuzählen. Um 1853/54 war in weiten Teilen der nordwestlichen Highlands fast die ganze Bevölkerung vertrieben wurden oder an Seuchen und Unterernährung gestorben. Wer heute durch Wester Ross oder Sutherland fährt und die "letzte Wildernis Europas" bewundert, sollte sich auch vor Augen führen, wie es hier vor 150 Jahren ausgesehen haben mag. Denn so leer und einsam, wie sich die Landschaft heute darstellt, war sie früher nicht. Mit einer Bevölkerungsdichte von nur 2,6 Einwohner pro Quadratmeter ist der Norden Schottlands eine der am dünnsten besiedelten Regionen Europas!

Über die Geschichte der Highland Clearances informiert heute ein kleines Museum im Dorf Tongue (700 Einwohner), an der Nordküste Schottlands, Richtung Westen. Hier befindet sich auch das oben erwähnte Tal Strath Naver, von dem Angus MacKay erzählt hatte.

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