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Die Geschichte der Stadt Stein (Mfr.)

(Ein Abriß der Geschichte der Stadt Stein anläßlich der ersten urkundlichen Erwähnung vor 700 Jahren (1296 - 1996))

Ein Gemeinwesen, dessen erste urkundliche Erwähnung 700 Jahre zurückliegt, hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, seine Entwicklungslinien bei gegebenem Anlaß aufzuzeigen, darunter auch solche, die über Orts-, Regional- und Landesgeschichte hinaus in die des Reiches und die der europäischen Historie hineinführen, Die Rückwendung in die Vergangenheit ist vor allem deshalb angezeigt, um das Gewordensein des heutigen Zustandes verstehen zu können. Ebenso erscheint ein Augenblick der Besinnung, vielleicht auch eine Geste der Anerkennung für die Leistungen früherer Generationen in diesem Ort angebracht. Wer allerdings erwartet, die wichtigsten Ereignisse seit den ältesten Erwähnungen von 1296 "zu der steinbruke" und 1297 "zu der steinin brukke" bis zum Jahre 1996 präsentiert zu erhalten, muß enttäuscht werden, denn zu einer Aufbereitung des 700-jährigen Geschehens würde Platz von sechzehn zur Verfügung stehenden Seiten nicht ausreichen.

Wappen der Stadt Stein

Über alle bedeutsamen Geschehnisse an, in und um diesen Ort Stein hat in höchst anschaulicher und umfassender Weise sein Chronist, der frühere Leiter des Nürnberger Stadtarchivs Dr. Gerhard Hirschmann in seinem 1962 erschienenen Buch "Stein bei Nürnberg - Geschichte eines Industrieortes" berichtet und dieses in einer zweiten Auflage 1991 mit dem geänderten Titel "Stein - vom Industrieort zur Stadt" auf den aktuellen Stand gebracht.

Ergänzung fand die Ortsgeschichte der jetzigen Stadt Stein durch das von Werner Sprung ebenfalls im Rahmen der Schriftenreihe "Altnürnberger Landschaft" verfaßte Werk "Rund um Stein", in dem der versierte Lokalhistoriker die Geschichte der nach Stein eingemeindeten Ortschaften im Weichbild der ursprünglichen Siedlung akribisch, komplett und perfekt darbot.

Beide Geschichtsschreiber bearbeiteten die Entwicklung Steins, dessen naturräumliche Lage dem Rednitzbecken zugehört, einem Landstrich, der nicht durch seine geologischen Gegebenheiten begrenzt ist, sondern durch seinen Landschaftscharakter und die Verkehrssituation. Der Talzug der Rednitz bildet die Achse dieses Gebietes, das seit Urzeiten Durchgangsland und Verkehrsleitlinie von ausnehmender Bedeutung ist.

Im Landschaftsbild prägt sich dies durch dichte Besiedlung und starke Industrialisierung aus.

Der Industriegroßraum Nürnberg, Fürth, Erlangen und Schwabach, zu dem auch die Städte Stein und Zirndorf gehören, verkörpert den Schwerpunkt der nordbayerischen Wirtschaft. Zur gedrängten Besiedlung hat dabei die Verkehrssituation, nicht aber die Güte des Bodens geführt, was viele Landwirte veranlaßte, ihre Ackerflächen als Baugrund zu veräußern und damit ein Wachstum der Wohnbevölkerung nach sich zog.

Stein, Hauptstraße

Nähert man sich der gewachsenen "Faberstadt" wie Stein gemeinhin heutzutage vielfach bezeichnet wird, auf ihrem natürlichen Zugang von Osten her über die Schloßkreuzung auf der in diesem Bereich "Nürnberger Straße" benannten Trasse der B 14, dann klingen die Akkorde unüberhörbar auf, die Stein zu dem werden ließen, was es heute ist.

Die Ursprünge der Siedlung, die nie ein Dorf gewesen war, lagern im Umfeld der ersten Rednitzbrücke, die an einer felsigen Engstelle den Fluß überspannte und eine Reihe von Nachfolgerinnen gefunden hat, deren letzte zu einer markanten Stadtsilhouette am westlichen Hochufer hinüberleitet.

Wer begleitet vom nahezu pausenlos anrollenden Autoverkehr aus der nahen Großstadt sich auf der zwischen Amtsgebäuden, Prachtbauten und Werksanlagen der Firma A. W. Faber-Castell verjüngenden Verkehrsader nach Westen bewegt, sieht - über der malerischen Uferbebauung ansteigend - auf den charakteristischen Baukörper der "Alten Kirche", der die Bürgerhäuser an der Südflanke der ehemaligen Reichsstraße überragt.

Hiermit sind schon die Fixpunkte markiert, die das Bild von Stein auch heute noch ausmachen und zu seinem werden beigetragen haben:

Brücke, Alte Kirche, Schloß und Werksanlagen der Familie und der Firma A. W. Faber-Castell. Sie sollen Kernpunkte dieser Darstellung sein, in der aber auch von Menschen, Herrschaftsstrukturen, Gewerbe und Industrie, Kirchen und Schulen, Kriegen, Not und Zerstörung sowie vom Neuanfang und Ausgestaltung, Bevölkerungsentwicklung und Eingemeindungen und letztlich von der Erhebung zur Stadt und ihrem Wesen zu lesen sein wird. Gleichzeitig sind die Themen genannt, die in der Reihe unabhängig von der chronologischen Abfolge betrachtet werden sollen. Am Beginn steht:

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Die Rednitzbrücke

Sie ist zweifellos die Quelle für den Ursprung der Siedlung, deren Entwicklung sie leitmotivisch bis zur Gegenwart begleitet und sicher viel zu erzählen wüßte von Menschenschicksalen und Zeitläufen, so wie "Die Brücke über die Drina" aus dem Werk des jugoslawischen Nobelpreisträgers von 1961 Ivo Andric.

Stein, Wassergasse (an der Rednitz)

Man hat die erste Rednitzbrücke wahrscheinlich im beginnenden Spätmittelalter nur wenige Jahre vor ihrer erstmaligen urkundlichen Nennung - anstelle einer wenige hundert Meter flußaufwärts bei Neuwerk befindlichen Furt - dort errichtet, wo die vom Wasser der Rednitz ausgeräumte, tiefe und verhältnismäßige schmale Schlucht zum Bau einer Brücke einlud, da im felsigen Untergrund die notwendige Festigkeit gewährleistet, nur eine recht kurze Strecke zu überbrücken und die Hochwassergefahr gering war.

Interessiert an einem solch stabilen Flußübergang war besonders die Reichsstadt Nürnberg, die wegen des zunehmenden Handels ihrer Kaufleute die städtische Bauverwaltung mit der Errichtung der hoch liegenden Brücke beauftragt hatte und in den folgenden fünf Jahrhunderten auch die Baulast bei größeren Reparaturen trug.

Deshalb berief man zu Arbeiten am Steiner Brückenpfeiler 1498 als Berater den berühmten Bildschnitzer Veit Stoß - so wie seinen ebenso namhaften Zeitgenossen aus der Epoche Dürers, den Bildhauer Adam Kraft, der als Gutachter beim Bau einer Seitenkapelle der heuer 500 Jahre alt gewordenen Schwabacher Stadtkirche bestellt gewesen war. Während letzterer bei dieser Dienstfahrt auf den Tod erkrankte, fand Veit Stoß in Stein seine Ehefrau, aber auch den Grund für eine finanzielle Auseinandersetzung mit dem Nürnberger Rat um die Gestehungskosten für seine fachaufsichtliche Tätigkeit.

Mit dem Anfall von Stein zusammen mit der Reichsstadt Nürnberg an das Königreich Bayern 1806 ging auch die Baulast auf den bayerischen Staat über, der die Verantwortung für die Erhaltung des Überganges der Brücken-, Wasser- und Straßendirektion beim Landgericht Nürnberg auferlegte.

Erst 1889 wurde die alte hölzerne Brücke abgetragen und der Brückenpfeiler in der Flußmitte neu aufgerichtet, so daß die Überführung noch im Geburtsjahr Adolf Hitlers dem Verkehr übergeben werden konnte. Der Bestand der zweiten steinernen Brücke war identisch mit den Lebensdaten des Führers und Reichskanzlers. Sie wurde zum Ende des von ihm verbrochenen Weltenbrandes am 19. April 1945 - einen Tag vor seinem letzten Geburtstag - durch eine deutsche Truppeneinheit vom Ostufer aus gesprengt.

Ihre Zerstörung bewahrte Stein zwar zunächst vor großen Durchzügen amerikanischer Truppen, doch dann halfen sich diese mit einer Pontonbrücke, über die ihre US-Trucks rollten.

Bis zum Wiederaufbau im Juni 1945 hielt man den Verkehr von Stein zum Ostufer durch einen Fährbetrieb aufrecht.

Der ständig wachsende Kraftfahrzeugverkehr in den 60er Jahren verschärfte die Belastung der Hauptstraße als Zubringer zur Rednitzbrücke so sehr, daß eine Verbreiterung der Brückenfahrbahn um sechs Meter angezeigt war.

Ehe dies nach Abtragung der alten Brücke geschehen konnte, war für ein halbes Jahr eine hölzerne Behelfsbrücke erstellt worden, deren Belag bei Nebelfeuchte und Regennässe durch ineinander rutschende Autos manchen zusätzlichen Stau verursachte. Nach Einbringen der neuen, 40 Meter langen und 60 Tonnen schweren Spannbeton-Eisenträger wurde im November 1971 die letzte in der Reihe der Steiner Rednitzbrücken dem Verkehr übergeben, der auf ihr - im Gegensatz zum häufigen Stop-and-go-Betrieb auf der Hauptstraße - unbehindert in beiden Richtungen fließt.

Dabei denken die wenigsten Verkehrsteilnehmer wohl kaum daran, daß die erste "steinbruke" möglicherweise namens gebend für den Ort war und sicher als Bezeichnung für eine der vier Dingstätten des Kaiserlichen Landgerichts im Burggrafentum Nürnberg diente. Gerichtssitzungen sind urkundlich von 1296 "zu der steinbruke" bis 1428 "Indicum in Lapide" (Gerichtssitzung in Stein) überliefert. Dabei wurde in der ersten ein wichtiges Weistum getroffen, d. h. eine gerichtliche Feststellung über den Gerichtsstand der Zeidler, der Bienenzüchter in den Reichswäldern.

Somit steh die erste urkundliche Nennung in einem Rechtsvorgang, und die Stadt darf sich also rühmen, auf einem Boden gewachsen zu sein, der mit Gesetz und Rechtsprechung in einem unmittelbaren Bezug gestanden hat.

Eine weitere sehr beachtenswerte Hervorbringung auf Steiner Grund ist:

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Die Alte Kirche

Stein, Alte Kirche

Ihre Entstehung ist in unmittelbarem Bezug mit dem nachmaligen Hüter des Kaiserlichen Landgerichts zu sehen. Im Jahre 1456 erzwang Markgraf Albrecht Achilles die Übersiedlung des Gerichtes an die Rezat in seine Residenzstadt Ansbach. Da er auch die Landeshoheit über Stein versah, mußte sich Cornelius Lebrun, ein maßgebliches Glied der Nürnberger Reformierten an ihn wenden, um den Bau eines Gotteshauses für die in der Reichsstadt lebenden Gemeindemitglieder zu erhalten.

Dies gelang 1658 in einem zweiten Versuch - unter Vermittlung des Großen Kurfürsten von der Mark Brandenburg - mit der Auflage, daß ein Prediger den Gottesdienst halte, man gemeinschaftlich singe, bete, die Predigt anhöre und zum Abendmahl gehe, diese Religionsausübung aber in einem Gebäude geschehe, das nicht in Form einer Kirche gebaut und vor allem kein Glockengeläut haben dürfe.

Stein, Martin Luther Kirche (ev.)

So entstand ein freistehender stattlicher Rechteckbau aus unverputzten Sandsteinquadern, in dem 1660 der erste feierliche Gottesdienst stattfand. 44 Jahre lang fuhren die Reformierten sonntags mit der Kutsche zu ihrem Steiner Bethaus, bis ihnen der Nürnberger Rat die Religionsausübung ab 1704 innerhalb seiner Mauern in der St. Marthakirche für dauernd bewilligte.

Mehr als ein Jahrhundert später erwarb der Bleistiftfabrikant Georg Leonhard Faber das Bethaus zusammen mit dem anschließenden Spital und ließ Arbeiterwohnungen einrichten, ehe die Stadt Stein 1978 die "Alte Kirche" von der Firma Faber-Castell kaufte und unter Angleichung an den ursprünglichen Zustand zu einem kommunalen Kulturzentrum umgestaltete.

Als augenfälligste Kulturstätte Steins sieht jedoch derzeit jeder Besucher, der die Stadt von Osten erreicht:

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Das Schloß samt den Werksanlagen von A.W. Faber-Castell

Seit 1761 ist das Schicksal Steins eng mit der Handwerkerfamilie Faber und später dem Geschlecht Castell-Rüdenhausen verknüpft. In diesem Jahr begann der Schreiner Kaspar Faber, der sich einige Jahre zuvor, von Langenzenn kommend, in Stein niedergelassen hatte, mit der Fertigung von "Bleiweißstefften" in handwerklich einfacher Form, denn eine industrielle Produktion war noch nicht möglich.

Auch gab es noch keinen Berufsstand des "Bleistiftmachers", obgleich versucht worden war, das Bleistiftmachen zu einem zunftgerechten Handwerk zu erheben. Diese Bestrebungen scheiterten an der fehlenden Genehmigung des Nürnberger Rugsamtes, das die Gewerbeaufsicht in der Reichsstadt und ihrem Umland ausübte. Die Geschichte Steins stand auch in der Mitte des 18. Jh. Noch ganz im Einflußbereich der fränkischen Metropole, obwohl diese schon viel von ihrem Glanz verloren hatte.

Stein, Faber-Castell Schloß (zeitgenössischer Stich)

Insbesondere der Verkauf von Bleistiften geschah noch in vormerkantiler Form. Es ist zum Beispiel überliefert, daß Anton Wilhelm Fabers Frau mit dem Weidenkorb nach Nürnberg auf den Markt ging, um dort Bleistifte anzubieten, so wie es schon 250 Jahre früher Albrecht Dürers Frau Agnes mit dessen Graphikblättern getan hatte.

Obgleich es also noch keinerlei geregelte Handelsgeschäfte gab, konnte Kaspar Fabers Sohn Anton Wilhelm nach Übernahme des kleinen Handwerksbetriebes 1783 mit der von seinem Vater ererbten Barschaft den sogenannten "uneben Spitzbärten" für die Vergrößerung des Werksgeländes erwerben. Damit waren die Wurzeln des nachmaligen Weltunternehmens A.W. Faber-Castell  geschlagen, dessen Stammhaus in Stein sein historisches Verwaltungsgebäude noch heute in diesem Flurbereich stehen hat und das mittlerweile in der achten Generation in Familienbesitz geführt wird.

Stein, historische Aufnahme von Faber-Castell

Obgleich sich jeder einzelne in der Reihe der Firmeneigentümer nach seinen Kräften bemühte, beeinträchtigten äußere Einflüsse mitunter den wirtschaftlichen Erfolg. Für Georg Leonhard Faber brachte die napoleonische Zeit manche Einschränkungen mit sich, und die fortschreitende Erschöpfung der englischen Graphitgruben führte zu einer erheblichen Verknappung und Verteuerung des für die Bleistiftherstellung unerläßlichen Rohstoffs.

Eine entscheidende Wende vollzog sich, als der erst 22-jährige Lothar Faber nach dem plötzlichen Tod seines Vaters Georg Leonhard 1839 die kleine Fabrik in einem wenig guten Zustand übernahm, und seine Kenntnisse aus der kaufmännischen Ausbildung in Nürnberg und seine Erfahrungen eines freien Handels, einer blühenden Industrie und einer entwickelten Bleistiftproduktion aus Paris einbrachte.

Stein, Faber-Castell Schloß

Um den Absatz zu fördern, reiste Lothar mit einer Kollektion von Musterstiften durch Deutschland und Europa bis nach Rußland und kehrte stets mit vollen Auftragsbüchern zurück. 1849 wagte er den Sprung nach Übersee und gründete in New York eine eigene Handelsniederlassung, womit der Schritt auf den Weltmarkt getan war.

In Stein waren inzwischen beidseits der Rednitz neue Fabrikationsgebäude des Bleistiftunternehmens entstanden, für dessen Beschäftigte eine Arbeitersiedlung angelegt, ein Kindergarten eingerichtet, ein Schulhaus gebaut und schließlich 1861 sogar eine Kirche errichtet, alles maßgeblich gegründet, gefördert und finanziert durch den Fabrikanten Lothar von Faber, der aufgrund seiner sozialen und wirtschaftlichen Leistungen 1862 vom bayerischen König Maximilian II. geadelt und 1881 in den erblichen Freiherrnstand erhoben wurde.

Lothar von Faber hatte in seinem arbeitsreichen Leben nahezu alles erreicht, was sich ein Unternehmer seiner Prägung zum Ziele setzen kann, nur blieb ihm die männliche Nachfolge in seinem Betrieb versagt, da sein Sohn Wilhelm erst 43-jährig vor ihm verstorben war. So ging nach Lothars Tod 1896 den Grafen Alexander zu Castell-Rüdenhausen, der gleichzeitig als Teilhaber in die Firma eintrat und den Familien- und Firmennamen A.W. Faber-Castell begründete. Wohnung nahm Graf Alexander mit seiner Familie in dem von 1903 bis 1906 erbauten Neuen Schloß.

Der in Anlehnung an den Stil der deutschen Romantik (um 1200) errichteten Prachtbau ist in Verbindung mit dem Alten Schloß zum Wahrzeichen der Stadt Stein geworden und verkörpert den wirtschaftlichen Erfolg einer Familie, durch die eine anfangs kleine, ja gesichtslose Gemeinde zu einem einflußreichen, im sozialen Sinne fortschrittlichen Industriezentrum mit beispielhafter Ausstrahlung wurde.

Insbesondere das fürstliche Ambiente mit Schloß, Park im englischen Stil mit künstlich aufgestautem Weiher, Forst- und Rentamt, ehemaligem Gutshof und Reitstall tragen zum dekorativen Erscheinungsbild bei, wie andererseits die Stiftungen der Unternehmerfamilie als Arbeitgeber das soziale Umfeld mitbestimmen. Dies lag und liegt auch Graf Alexanders Nachkommen und Nachfolgern in der Unternehmensleitung am Herzen.

Ähnlich wie sein Urgroßvater Lothar mußte Roland Graf von Faber-Castell schon 1928 als 23-jähriger die Firmenleitung übernehmen, die er 50 Jahre lang in Händen hielt. Dabei gelang es im Laufe der Zeit, den starken Absatzrückgang als Folge des 1. Weltkriegs auszugleichen und den Verlust der Produktion- und Vertriebsstandorte nach dem 2. Weltkrieg zurück zu gewinnen sowie einen weitläufig gebauten neuen U-förmigen Fabriktrakt zu erstellen, der die Möglichkeiten zur großzügigen Erweiterung bot.

Im Gefolge des deutschen Wirtschaftswunders expandierten die Produktionsraten. 1952 begann Faber-Castell als erstes Unternehmen der deutschen Bleistiftindustrie mit der Fertigung von Kugelschreibern. Der seit 1978 verantwortliche Firmenchef Anton Wolfgang Graf Faber-Castell veranlaßte eine Neuorientierung des Sortiments, leitete mit der Aufnahme der Kosmetikstiftproduktion den Ausgleich zu der dem Taschenrechner gegenüber verlorengegangenen Rechenstabfertigung ein und betont die Rückbesinnung darauf, was Lothar von Faber einst propagiert hatte und womit er dem Unternehmen zu internationaler Größe verhalf: "die besten Stifte der Welt zu machen".

Die Verwirklichung dieser Zielvorstellungen hatte ihre sichtbaren Auswirkungen auf die Entwicklungsgeschichte Steins, die in der zweiten Hälfte des 19. Jh. durch den Menschen Lothar von Faber personifiziert ist. In der richtigen Erkenntnis seiner außergewöhnlichen Lebensleistung setzte die Gemeinde ihrer namhaftesten Persönlichkeit in Anerkennung und Dankbarkeit ein lebensechtes Denkmal angesichts seiner Kirchenstiftung, was durch die derzeitige Ausgestaltung des Martin-Luther-Platzes deutlicher zum Ausdruck kommt. Als Unternehmer und Wohltäter war sicherlich Lothar von Faber bis heute der bedeutendste und einflußreichste unter den Menschen, die in Stein lebten und wirkten. Seine Biographie - mit Bezug auf seine schriftlichen Selbstzeugnisse - würde unschwer die vorgegebenen sechzehn Seiten alleine füllen.

Von anderen Menschen hierorts, die auch den Wellenschlag der Geschichte spürten oder in ihre Strudel gerissen und fortgetragen wurden, ist uns oft nicht mehr als der Name überliefert, der in frühen Tagen vielfach von ihrer Tätigkeit abgeleitet war. Wir wissen nichts weiter von ihnen, obwohl sich hinter jedem Namen ein Schicksal verbirgt. Es sind in jedem Falle die Menschen, die den Ort mit Leben erfüllt haben und seine Entwicklung mit tragen.

So ist uns in zwei Verzeichnissen der Stadt Nürnberg, die im Hinblick auf den 1. Markgrafenkrieg angelegt wurden, jeweils der Name eines Heintz F(V)ischer überkommen, dem möglicherweise das Fischrecht in der Rednitz oblag. Neben ihm stoßen wir auf einen Hanns Mulner (Müller), Erhart Klingensmit (Klingenschmied) und Kuntz Sleifer (Schleifer), die alle drei Gewerbstätigkeiten aus der Frühzeit der Siedlung pflegten.

Während in Güterverzeichnissen zu Beginn de Neuzeit noch Name und Beruf mitgeteilt sind, ist später nur noch pauschal von Fabrikarbeitern die Rede, deren Namen öffentlich allenfalls in Ehrentafeln für Gefallene auftauchen. Am ergreifendsten wirkt hier das Schicksal der Familie Reisch, die im 2. Weltkrieg ihre vier Söhne verlor, und deren Vater beim Einmarsch der Amerikaner auf seinem Hof angeschossen wurde und am 1. Mai 1945 als spätes Opfer einer zur gewissenlosen Machtpolitik entarteten Herrschaft starb.

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Herrschaftsstrukturen

Stein um 1702

Der Ort Stein, für den in einem Vertrag von 1713 die "Dorfgemeinde" Stein als Rechtsperson handelnd auftritt, war nie eine bäuerliche Siedlung und auch nicht mit deren Rechten ausgestattet, selbst wenn in einer Urkunde von 1734 von einer Dorfhauptmannstelle die Rede ist. Die Bewohner konnten nie eigenverantwortlich etwas unternehmen, sondern unterstanden vielmehr der Herrschaft der jeweiligen Inhaber des Reichslehens, das der deutsche Kaiser vergab.

Als älteste Lehnsträger ist das Reichsdienstmannengeschlecht derer von Buttendorf bei Roßtal bekannt. Das Lehensgut ging nach einer Urkunde Kaiser Friedrichs III. an die Herren von Leonrod über. Diese verliehen Gerechtsame und Güter weiter als Afterlehen an die Nürnberger Familien Toppler, Rebel und seit 1501 an die Geuder von Heroldsberg, die bis 1848 die Patrimonialgerichtsbarkeit ausübten.

Diese zog der bayerische Staat ein, dem Stein seit 1806 angehört. Der vorangegangene Reichsdeputationshauptschluß hatte eine Bereinigung der mehrfach verwobenen und vielfach lang dauernden Rechtstreitigkeiten verursachende Herrschaftsverhältnisse bewirkt. Nun war der bayerische König alleiniger Lehnsherr, auch für das ehemalige Reichslehen von Stein, nachdem gleichzeitig die Landesherrschaft, die der Ansbacher Markgraf innehatte, beendet worden war. Für die damals neu gebildete Gemeinde Stein waren als übergeordnete Behörden das Landgericht Nürnberg und das Rentamt Fürth zuständig. Heute führt die Dienstaufsicht die Regierung von Mittelfranken.

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Gewerbe und Industrie

Von der natürlichen Grundausstattung des Raumes ist die Wasserkraft der Rednitz die wichtigste. Sie wurde schon frühzeitig zu mancherlei Gewerbe genutzt. Neben- und nacheinander bestanden an der felsigen Engstelle von Stein Mühlen und Hämmer der unterschiedlichsten Art und der verschiedenartigsten Verarbeitung; wo sich heute das Werk 3 der Firma Faber-Castell erstreckt, waren in historischer Zeit angesiedelt:

  • je eine Bleimühle, Bleiweißmühle, Drahtmühle, Mahlmühle, Papiermühle, Roßmühle, Sägemühle und Schleifmühle sowie
  • je ein Eisenhammer, Kupferhammer, Messinghammer und Zainhammer sowie auch
  • je eine Glasschleife und ein Glaspolierwerk, von deren Existenz wir durch eine Bestandsaufnahme nach dem 1. Marktgrafenkrieg,

Bilddarstellungen wie Ansichten aus dem 18. Jh. Und Güterbeschreibungen sowie Steuerlisten gründlich unterrichtet sind. Ebenso erfahren wir über die Eigentumsverhältnisse auch die Namen und Berufen der Besitzer, die über den örtlichen Bedarf hinaus vor allem zur Versorgung für die nahe Reichsstadt, aber beispielsweise auch Eisenbleche für die Salzsieder von Schwäbisch-Hall produzierten.

Stein, Steiner Schloß

Gewerbebetriebe und Wohnstätten der Beschäftigten existierten fast ein halbes Jahrtausend im überschaubaren Umfang. Erst im 19. Jh. nahm Stein einen großen Aufschwung, den es der hier seit 1717 nachweisbaren Bleistiftfertigung verdankt. Sie wurde von mehreren namentlich bekannten Handwerkern - meist Schreinern - betrieben, die vor allem im Spitzgarten schafften und wohnten, wo sich jetzt die weitläufigen Werksanlagen der Firma A.W. Faber-Castell erstrecken. Als Inhaber der ursprünglich dort befindlichen Werkstatt sind von 1717 bis 1793 nacheinander als Bleistiftmacher Michael Tischer, Georg Simon Krauß und Leonhard Bechtner belegt. Trotz der geringen Zahl von zwei bis drei Hilfskräften scheint ihr Gewerbe recht einträglich gewesen zu sein, wie wir in der Folge auch an den im Ort selbst ansässigen und tätigen Bleistiftmacherfamilien Faber und Gutknecht beobachten können. Diese zwei sind zwar erst einige Jahrzehnte später nachweisbar, aber für die Geschichte Steins ungleich bedeutsamer, ja letztlich entscheidend geworden, da sie ihr Gewerbe über den Manufakturbetrieb nahtlos in das Zeitalter der Industrialisierung hinüberführten und so den Weg Steins zum Industrieort mitbestimmten bzw. vorgaben. Dabei ist es besonders faszinierend zu verfolgen, wie aus der Niederlassung des 1658 nach Stein zugewanderten Kaspar Faber, der das Bleistiftmachen in ganz bescheidenem Rahmen begann und selbst bei Gutknecht gearbeitet hatte, nach hundert Jahren ein Unternehmen von Weltruf geworden ist, das dem Ort in der vierten Generation durch Lothar von Faber sein unverwechselbares Gepräge gegeben hat.

Faber und Gutknecht hatten in gesunder Rivalität die industrielle Entwicklung - auch in scharfer Konkurrenz zu Nürnberger Bleistiftfirmen - vorangetrieben, aber nur Faber bestand nach dem Kauf der Fa. J.W. Gutknecht im Jahre 1907 fort und sieht erfolgreich und leistungsfähig im Jubiläumsjahr der ersten urkundlichen Erwähnung Steins seinem 235. Geschäftsjahr entgegen.

Daß neben diesem Betrieb, der in so augenfälliger Weise Arbeit gibt, das industrielle Herz von Stein bildet und seine Entwicklung zur Stadt begleitet hat, sich noch weitere Produktionsstätten und Verkaufsgeschäfte entwickeln können, dafür liefert die Firma Möbel-Krügel ein eindrucksvolles Beispiel. Sie gilt als ein Branchenführer im deutschen Möbelhandel.

Die Firma ging aus einem kleinen handwerklichen Schreinerbetrieb hervor, den Christian Krügel 1906 in der Nürnberger Altstadt gegründet hatte und nach dem 1. Weltkrieg nach Stein verlegte, wo durch Angliederung eines Möbelhandels und später einer Fensterrahmenfabrikation sich ein wachsender Betriebsstandort entwickelte, in dem Arbeit und Wohnen für viele Beschäftigte nahe beieinander liegen und sich das Haus der 72 Schaufenster zu einem Einrichtungskomplex "Wohnwelt" verwandelte, das die marktbeherrschende Stellung von Möbel-Krügel weiterhin sichern soll.

Es ist hier nicht der Raum, alle übrigen namhaften Steiner Firmen vorzustellen, nur sei auf die zukunftsorientierte Planung der Steiner Stadtverwaltung verwiesen, die mit der Anlage des Gewerberings im Westen der Siedlung deren Entwicklungsrichtung bedacht hat.

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Kirchen und Schulen

Stein besitzt zurzeit vier Kirchen und drei Schularten. Es handelt sich dabei um drei evangelische Gotteshäuser und eine katholische Kirche sowie um je eine Grund- und Hauptschule und ein Gymnasium, dem der Name Lothar-von Faber-Gymnasium gut anstünde.

Stein, Rathaus

Erste gottesdienstliche Spuren in Stein gehen auf die "Alte Kirche" zurück. Als nach der Errichtung der selbständigen politischen Gemeinde im 19. Jh. der Wunsch der Steiner Bevölkerung nach einer eigenen Kirche und Pfarrgemeinde sich lebhaft regte, dachte man an die Verwendung des ehemaligen Bethauses, in dem jedoch der Bleistiftfabrikant Gutknecht ein Magazin unterhielt, so daß sich der Plan zerschlug.

Nun ergriff Lothar Faber, dem nicht nur das äußerliche Wohl seiner Arbeiter am Herzen lag, die Initiative zur Einrichtung eines Vikariats und den Neubau einer Kirche. Die jetzige Martin-Luther-Kirche wurde 1861 feierlich eingeweiht und zusammen mit der Pfarrerhebung 1880 zur Patronatskirche erhöht. Kirchenpatron wurde der mittlerweile in den Adelsstand erhobene Lothar von Faber, der sich gleichermaßen um das Steiner Schulwesen verdient machte.

Der zweite evangelische Kirchenbau, die Jakobuskirche in Oberweihersbuch, wurde zwar von einem Architekten geplant, aber weitgehend in Eigenleistung von den dortigen Bauern errichtet und erhielt bei ihrer Einweihung 1928 das Patrozinium der im 30-jährigen Krieg abgegangenen Jakobuskapelle vom Löselhof in Deutenbach übertragen. Dort findet noch alljährlich am dritten Septembersonntag die von allen drei evangelischen Kirchengemeinden getragene Stadelpredigt statt.

Stein, Stadtbibliothek

Die jüngste der drei war im Neubaugebiet von Deutenbach entstanden und bis 1984 als zweite Pfarrstelle geführt worden. Die Gottesdienste fanden zunächst in der Kapelle des Gemeinde-zentrums statt, ehe am 4. Advent 1992 die neue Paul-Gerhardt-Kirche durch den Landes-bischof ihrer Bestimmung übergeben werden konnte. Zu diesem Zeitpunkt erschien eine vorbildliche Festschrift, die neben einer Dokumentation über den Bau aus Glas und Metall auf Betonfundamenten - Von der Idee zur Durchführung - auch eine als Zeittafel gestaltete Chronik von Deutenbach enthält und zur Erhellung der Steiner Kirchenhistorie beiträgt. So wird auch darauf hingewiesen, daß 1957 in Stein eine katholische Pfarrei gegründet und 1959 die Albertus-Magnus-Kirche errichtet wurde.

Dies war veranlaßt durch das starke Wachstum des katholischen Bevölkerungsanteils, dem ursprünglich zwar drei Wochen die Oberweihersbucher Jakobuskirche für Sonntagsgottesdienste zur Verfügung stand, aber bald den Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus weckte, das zunächst eine Notkirche war, an deren Stelle 1989 die mit hervorragenden Arbeiten moderner Sakralkunst ausgestattete neue Albertus-Magnus-Kirche vom Eichstätter Bischof geweiht wurde.

Ein Jahr zuvor war mit einem Festakt das in zwei Bauabschnitten zusammen mit einer Dreifachturnhalle errichtete Schulgebäude des Gymnasiums Stein - sechs Jahre nach dessen Verselbständigung aus dem Verbund mit dem Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Oberasbach - offiziell seiner Bestimmung übergeben worden. Es rundete den vorbildlichen Gesamteindruck der heutigen Steiner Schulsituation ab, die sich aus trüben Anfängen musterhaft entwickelt hat, wobei ein Blick zurück in die Vergangenheit als Beleg dienen mag.

So stand kürzlich im Amtsblatt der Stadt Stein  im Beitrag "Das historische Stichwort" ein Auszug aus "Stein-Geschichte eines Industrieortes" zu lesen:

»Zu Beginn des 19. Jh. lagen die Verhältnisse in Stein in schulischer Hinsicht sehr darnieder. Die Kinder wurden willkürlich entweder nach Großreuth oder Oberweihersbuch zur Schule geschickt oder in Stein von Winkelschullehrern unterrichtet. Am 13. Oktober 1835 faßte die Gemeindeversammlung von Stein daher den Entschluß, die Einrichtung einer eigenen Schule für den Ort an höherer Stelle zu beantragen. Auf Grund des Beschlusses wandte sich das zuständige Landgericht Nürnberg in der Angelegenheit an die Regierung in Ansbach. In dem Antragsschreiben wurde die Situation in Stein folgendermaßen geschildert: "Die dortige Jugend der Großteils moralisch sehr niedrig stehenden Fabrikarbeiter verwildert immer mehr, die Schulversäumnisse mehren sich und arten ohngeachtet der verfügten Strafen sogar in eine Art Widersetzlichkeit aus." Die Eltern würden sich ferner damit entschuldigen, daß sie die Kinder wegen der weiten Entfernung der Schule in Oberweihersbuch, besonders bei schlechtem Wetter, oft aus Mangel an Kleidungsstücken, nicht so weit schicken könnten. Auf diese Schreiben hin genehmigte die Regierung im Jahre 1837 endlich eine Schule in Stein.«

Solche Ansichten galten wohl auch für Lothar von Faber, der sich anderthalb Jahrhunderte später erfolgreich für die Besserung der Steiner Schulverhältnisse einsetzte. Da Fabers Arbeiterschaft einen Großteil der Bevölkerung ausmachte, ist es verständlich, daß seine Bemühungen um Förderung des Steiner Schulwesens gleichzeitig auch dem ganzen Ort zugute kamen.

So bevorschußte Lothar von Faber die Kosten in Höhe von 61.000 Mark für den Bau eines neuen Schulhauses in der jetzigen Alexanderstraße, wo im ersten Stockwerk ein Lokal für das Standesamt eingerichtet war und im Erdgeschoß ein Gemeindesaal Platz fand. Dort wurde 1922 das Postamt eingepaßt, als das ehemalige Distriktswaisenhaus an der Mühlstraße zu einem Schulhaus umgewidmet war, wozu es noch immer dient. Dort waren bis 1968 alle Steiner ABC-Schützen eingeschult worden, ehe die großzügig gestaltete Schulanlage am Neuwerker Weg in Deutenbach fertiggestellt war, wo Grund- und Hauptschüler so untergebracht sind, daß dem Sachaufwandsträger eine vorbildliche Haltung in der Verpflichtung für die nachwachsende Generation bescheinigt werden muß.

Dieser möchte man wünschen, daß sie in ihrem Leben verschont bleiben mögen vor

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Krieg, Not und Zerstörung

Alt-Stein in Kriegen, Kriegsnöten und Zerstörungen war schon seit seinen frühen Zeiten vorgegeben zum einen durch seine exponierte Lage an einem strategisch wichtigen Flußübergang und zum anderen durch das Aneinandergrenzen zweier Hervorbringungen aus derselben Wurzel: die freie Reichsstadt Nürnberg und die Markgrafen von Brandenburg - Ansbach aus dem Geschlecht der Hohenzollern, die seit 1273 das Burgrafenamt auf der Nürnberger Reichsburg ausgeübt hatten. Beide Mächte, die urbane Adelsrepublik und der territoriale Fürstenstaat lieferten sich zwischen 1449 und 1552 drei kämpferische Auseinandersetzungen, die als 1. und 2. Markgrafenkrieg und die Fehde mit Kunz Schott in die Geschichte eingegangen sind.

Stein erlitt als Vorort im reichsstädtischen Westen in allen Treffen das Schicksal, nach dem Abzug der Markgräflichen niedergebrannt zurückzubleiben. Während 1450 beim Eingreifen von Albrecht Achilles noch fraglich blieb, ob auch die Mühle ein Raub der Flammen wurde, blieben bei dem brutalen Überfall von 15 Reitern aus dem Umkreis des Raubritters Kunz Schott 1499 nur zwei Fischerhäuschen unversehrt, die wohl übersehen worden waren, und schließlich fiel der gesamte Ort dem Feuer zum Opfer, als im Verlauf des 2. Markgrafenkrieges Albrecht Alcibiades 1552 von seinem Feldlager bei Schweinau aus seine berittenen Mordbrenner an die Rednitz gesandt hatte.

1632 wurde schließlich zum schlimmsten Schicksalsjahr für Stein, als sich der Schwedenkönig Gustav Adolf in Nürnberg - wohin die meisten Steiner geflüchtet waren - und Albrecht von Wallenstein um die Alte Veste bei Zirndorf im 30-jährigen Krieg einander gegenüberlagen. Zwar blieb Stein - außerhalb des Wallensteinischen Lagers gelegen - vom Kampfhandlungen verschont, doch beim Abzug nach der ergebnislosen Schlacht verwüstete das Kriegsvolk des kaiserlichen Generalissimus die Gegend um das Lager völlig, verbrannten die Häuser und besonders die Mühlen, um Nürnbergs Versorgung mit Mehl zu stören. Damit sank Stein zum dritten Male innerhalb von 133 Jahren in Schutt und Asche.

In den napoleonischen Kriegen, die Europa zwei Jahrzehnte erschütterten, hatte Stein weniger unter Zerstörung als vielmehr durch seine Lage an der West-Ost-Straße unter sich ständig wiederholenden Durchzügen und Einquartierungen zu leiden, die erhebliche Kosten verursachten.

Auch im deutschen Bruderkrieg 1866 zwischen Österreich und Preußen, der einen Kriegstoten aus Stein forderte, mußte der Ort Platz für 700 Mann Einquartierung aus Mecklenburg schaffen. Die Hälfte der Soldaten übernahm Lothar von Faber, die andere wurde der übrigen Bevölkerung zugeteilt. Die Erinnerung an dieses Ereignis hält noch der Mecklenburger Platz fest.

Der deutsch-französische Krieg 1870/71, getragen von einer Welle patriotischer Begeisterung, führte in Stein zur Gründung eines Vereins zur Pflege und Unterstützung im Felde verwundeter Krieger, von denen sieben ihr Leben verloren und deren Namen auf einer Gedenktafel in der Kirche festgehalten wurde.

Die auch in Stein spürbare nationale Begeisterung am Beginn des 1. Weltkrieges änderte sich in den späteren Kriegsjahren durch die schweren Belastungen und Entbehrungen als Folge von Lebensmittelmangel und Kohlennot in der Heimat und den großen Menschenopfern an den Fronten, wo in den verheerenden Materialschlachten 89 Männer fielen. Weit übertroffen wurde die Zahl im 2. Weltkrieg, der 282 Steinern und 73 Angehörigen von nach dem Kriege Zugezogenen das Leben kostete. Allein die Namen, Lebensdaten, Stand, Beruf, militärischer Rang und Örtlichkeit des Todes der Gefallenen und Vermißten bedecken 26 Seiten in dem Buch "Stein - die Geschichte eines Industrieortes".

Obwohl Stein im 2. Weltkrieg von Bombenschäden nicht unberührt blieb, ging es nahezu unzerstört aus dem Weltenbrand hervor und wurde erst stärker von Kriegshandlungen beim Endkampf um Nürnberg tangiert, als am Abend des 19. April 1945 amerikanische Truppen mit ihren Panzerverbänden von Neuwerk aus Stein erreichten und es noch zu Kämpfen im Park hinter der Neukirch-Villa an der Nürnberger Straße kam, bei denen neun deutsche Soldaten fielen, an die eine kleine Gedenktafel am Torpfeiler eines Wohnhauses in der Bahnhofstraße auch zugleich an die Sinnlosigkeit dieses Blutvergießens erinnert.

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Bevölkerungsentwicklung und Eingemeindungen

Beide Bereiche bedingen einander und stehen - wie sich zeigt - in einem ursächlichen Zusammenhang. Ihre Entwicklung kann für das frühe 19.Jh. und das späte 20. Jh. aufgezeigt werden. Eine erste Einwohnerzahl von Stein ist für das Jahr 1818 überliefert mit 587 Personen (plus 6 im Spitzgarten). Sie stieg im Fünfjahresschritt bis 1991 ziemlich gleichmäßig auf 2400 an und fiel durch die Verluste im 1. Weltkrieg um 116 Personen auf 2284, um in den 20er Jahren - mitbedingt durch zwei Eingemeindungen (von Deutenbach am 11.11.1921 und Weihersbuch am 1.1.1924) - auf 4079 zu klettern und 1939 beim Ausbruch des 2. Weltkrieges 4967 zu erreichen.

Stein, Fachwerkhaus im Ortsteil Gutzberg

Ein bis dahin noch nicht dagewesener Sprung von 1359 Menschen vollzog sich bis Ende 1946, als eine Einwohnerzahl von 5326 angezeigt wurde, verursacht - trotz der 355 Gefallenen und Vermißten - durch den Zuzug von Ausgebombten aus der Großstadt Nürnberg und Flüchtlingen aus den verlorenen Ostgebieten.

Bis zu den ab 1957 in der Chronologie der Ortsgeschichte jährlich belegten Zahlen stieg die Bevölkerung von 7026 (1957) zum Kulminationspunkt von 14154 im Jahre 1992 an und verdoppelte sich somit innerhalb von 35 Jahren.

Derselbe Vorgang war schon einmal für die Zeitdauer der Weimarer Republik zu beobachten, als sich die Bevölkerung von 2284 (1919) auf 4079 (1933) nahezu verdoppelt hat.

Ebenso wie in der Weimarer Zeit zwei Eingemeindungen stattgefunden hatte, geschahen in der Nachkriegszeit innerhalb von fünf Jahren ebenfalls zwei Eingemeindungen (von Bertelsdorf - Eckershof 1967 und Gutzberg mit Unter- und Oberbüchlein, Sichersdorf und Loch 1972), die jedoch eine weniger zu Buche schlagende Bevölkerungszunahme mit sich brachten als vielmehr eine wesentliche Vergrößerung der Gemeindeflur. Die heute 1951 ha umfassende Gesamtfläche der Stadt Stein hatte durch die beiden letztgenannten Eingemeindungen mit 232 ha und 486 ha um mehr als die Hälfte zugenommen. Während sich also die Gemeindefläche innerhalb der zehn Jahre vor der Stadterhebung verdoppelte, schaffte dies die Bevölkerung innerhalb der 35 Jahre von 1957 bis 1992. In dieser Zeit ist von 1960 bis 1970 ein ziemlich kontinuierliches Wachstum von etwa 200 Personen jährlich festzustellen, die das Wohnen im grünen Nahbereich der Großstädte suchten, als der Soziologe Alexander Mitscherlich von der Unwirtlichkeit solcher urbaner Agglomerationen sprach.

Einen Bevölkerungsschub von 2684 Menschen bescherte Stein zwischen 1971 und 1973 die Fertigstellung des Neubaugebietes in Deutenbach mit einem 17-stöckigen Hochhaus als Wahrzeichen des Fortschritts. Für die anschließenden 20 Jahre ist zwar noch immer ein Zuwanderungsgewinn ausgewiesen, darin eingeschlossen muß aber auch schon ein Minus von insgesamt 301 Bürgern vermerkt werden, die in den letzten Jahren 196, 1991, 1993 und 1994 im Soll stehen.

Bei den Eingemeindungen ist außerdem festzuhalten, daß sich diese auf das Gebiet der nach dem Übergang von Stein ins Königreich Bayern 1806 gebildeten politischen Gemeinde beziehen, zu der bis 1841 Weihersbuch gehört hatte und damals aus dem Gemeindeverband ausgeschieden war. In diesen brachte 1859 Lothar von Faber auf Antrag Teile der drei Nachbargemeinden Deutenbach, Röthenbach und Großreuth bei Schweinau zur Arrondierung seines Grundbesitzes ein.

Schließlich dürfen beim Begriff Eingemeindung nicht nur die glücklich im Sinne von Stein vollzogenen, sondern auch die mehr oder weniger aktiv verhinderten Gelüste der großen Nachbarin in Erinnerung gebracht werden!

Schon bald nach dem 1. Weltkrieg bemühte sich die Stadt Nürnberg beharrlich, zusätzlich in ihrem Weichbild gelegene Gemeinden sich einzuverleiben, wie zum Beispiel Krottenbach und Mühlhof aus der Gemeinde Deutenbach, das seinerseits zur selbständigen Ortschaft Stein kam, deren Eingemeindung nach Nürnberg 1922 mit Vertretern der Stadt ergebnislos beratschlagt worden war und bei dem lebhaft debattierten Thema "Einverleibung oder Selbständigkeit" im Rahmen der Gemeindewahlen in Stein 1924 eine Ablehnung fand. 15 Jahre später unternahm die Stadt Nürnberg im Zuge ihrer Großraumplanung einen zweiten Vorstoß zur Eingemeindung Steins, den Bürgermeister und Gemeinderat zwar einhellig ablehnten, aber einen Eingliederungsplan nicht verhindern konnten, der 1941 verfügt worden war. Lediglich eine Entschließung des Reichsministeriums des Inneren vom 17.Juli 1942 verhinderte den Vollzug der geplanten Eingliederung von Stein nach Nürnberg, weil diese "nicht dringend und nicht kriegswichtig" sei.

Somit war Stein selbständig geblieben und konnte sich diesen Status auch bei Neuordnung des politischen Lebens nach dem 2. Weltkrieg erhalten, bis die Stadt Nürnberg im Rahmen der Verwaltungsgebietsreform Bayerns 1971 ein drittes Mal nach der Einverleibung der Exklave des Landkreises Nürnberg - von diesem durch die Stadt getrennt - also der in ihrem westlichen Weichbild liegenden Gemeinde trachtete.

Wie ein halbes Jahrhundert zuvor gab es lebhafte Debatten in Stein mit den gegensätzlichen Auffassungen des bürgerlichen Lagers für Selbständigkeit und der von der SPD vertretenen Anschlußbereitschaft. Im Raume stand außerdem der von der Regierung von Mittelfranken befürwortete Gedanke der Angliederung Steins als künftigen südöstlichen Eckpfeiler des Landkreises Fürth.

Obwohl die Stadt Nürnberg ihre Forderung nach Eingemeindung von Stein in ihr Gebiet mit handfesten Argumenten (Benutzung von Höheren Schulen, Klinikum, Museen, Theater, öffentliche Verkehrsmittel durch Steiner Bürger) untermauerte, gelang es Bürgermeister Josef Dümmelbeck, die Mehrheit von seiner Auffassung für bürgernahe Verwaltung zu überzeugen und Nürnbergs Anlauf ein drittes und letztes Mal abzuwehren, wobei sein Einsatz für die Selbständigkeit der Gemeinde Stein wahrscheinlich schon von Überlegungen zu deren

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Stadterhebung

bestimmt gewesen war. Dieser Höhepunkt der kommunalen Entwicklung Steins war 1977 erreicht, als der von dem ungemein agilen Bürgermeister Josef Dümmelbeck seit vier Jahren verfolgte Plan der Erhebung Steins zur Stadt seine Verwirklichung fand.

Es ist dem gewieften Lokalpolitiker Dümmelbeck zu danken, daß er Stein die Unabhängigkeit sicherte und vor der Übernahme durch Nürnberg bewahrte, in dessen Interessengebiet die kleine Kommune zweifellos liegt und von den kulturellen und sozialen Leistungen der mittelfränkischen Metropole profitiert. Durch seine zupackende Art hat die in Nürnberg-St. Leonhard gebürtige Steiner Schlossermeister entscheidende Weichenstellung für die Entwicklung Steins vorgegeben und das Erscheinungsbild - auch als Herausgeber eines Bildbandes "Stein heute" - geprägt. Schon als ehrenamtlicher 2. Bürgermeister hatte er sich erfolgreich für Stein eingesetzt und im Amte des 1. Bürgermeisters als beständiger Mehrere des Wohls der Gemeinde und späteren Stadt Stein erwiesen, für deren Brückenbau er sich "sechs Jahre lang bei allen zuständigen Behörden die Hacke abgelaufen hat," für die er sein Lieblingsprojekt Hallenbad zum Vorzeigestück Palm Beach  erweiterte und damit der neuen Freizeitgesellschaft entgegenkam. Aber er betrieb auch unermüdlich die Einrichtung einer weiterführenden Schule in Stein, das als Stadt seinen Zusatz "bei Nürnberg" verlor, seinerseits Städtepartnerschaften eingehen konnte und ein ausgewogenes Siedlungsbild vom verdichteter Bebauung im Kernort zwischen Brücke und Kirche und aufgelockerter Besiedelung nach Süden und Westen hin besitzt, wo sich künftige Erschließungstendenzen abzeichnen.

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Ausblick

Somit stellt sich Stein 700 nach seiner ersten urkundlichen Erwähnung als ein geordnetes Gemeinwesen dar, das im Wellenschlag der Geschichte sich behauptete und einen Raum umfaßt, dessen Reize der "Steiner Rundgang" als Wanderung erschließt und von dem neuerdings in Deutenbach der mittelfränkische Camino als Jakobspilgerstrecke im Laufe eines großen europäischen Kulturweges seinen Ausgang nimmt.

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Literatur

  • Gerhard Hirschmann: Stein bei Nürnberg - die Geschichte eines Industriestandortes, Nürnberg 1962.
  • Gerhard Hirschmann: Stein - vom Industriestandort zur Stadt, Nürnberg 1991.
  • Georg Büttner - Waldemar Knaupp: Stein an der Rednitz in alten Bildern 1999.
  • Werner Sprung: "Rund um Stein - Die Geschichte der eingemeindeten Ortschaften", Nürnberg 1982.
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